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Erfahrung mit dem 20x80 ASTRO mit NebelfilterTestberichte
Das 20x80-Astro von Teleskop-Service ermöglicht Naturbeobachtungen auf hohem Niveau. Das Triplet Objektiv bietet eine hohe Schärfe und einen sehr guten Kontrast. Die Besonderheit dieses Glases sind die einschwenkbaren Nebelfilter für die Sternenbeobachtung. Bei der Tagesbeobachtung sind sie ausgeschwenkt und stören nicht. Der folgende Erfahrungsbericht konzentriert sich auf den nächtlichen Einsatz dieses Glases. Das Fernglas TS 20x80 triplet mit eingebauten UHC – Filtern
Ein persönlicher Erfahrungsbericht mit dem Großfeldstecher von Teleskop-Service, Putzbrunn - Solalinden
Irgendwie ist es eine kleine Grazie, das TS 20x80 triplet astro, zumindest verhält es sich so, bis es dann endlich seine wahren Werte offenbart.
Doch hier meine Erfahrungen von Anfang an:
Die Entscheidung für ein Fernglas dieser Größe habe ich als langjähriger Hobbyist aus dem Wunsch heraus getroffen, die Himmelsbeobachtung hellerer Objekte unkompliziert, ohne viel Zubehör und mit schneller Aufbauzeit auch unter der Arbeitswoche durchführen zu können. Außerdem fühle ich mich als „Einäugiger“ mit einer kleiner Refraktor-Sternwarte im Garten auch instinktiv zu den Besonderheiten dieser „zweiäugigen Groß- Eulen“ hingezogen.
Die Funktion ist eindeutig und klar vorgegeben: feste Vergrößerung (20 fach) bei fixer Austrittspupille (4mm) , der Himmel wird plötzlich viel einfacher, Fernglas- typisch- einfacher eben ! Doch da ist noch etwas, was einem guten Astro-Feldstecher schon immer gefehlt, hier aber pfiffig realisiert wurde: jedes Okular des TS 20 x80 triplet astro hat seinen eigenen UHC - Nebelfilter ! Und diese sitzen an der richtigen Stelle, knapp vor der Feldlinse des Okulars und gut geschützt und fest eingebaut. Die Bedienung ist perfekt einfach gelöst: mit einem großen Metallrädchen auf dem augseitigen Prismendeckel kann der jeweilige UHC- Filter gefühlvoll ein- oder ausgeschwenkt werden.
Man muss TS ehrlich ein großes Lob für die Idee und die serienmäßige Einführung bei den beiden Großferngläsern TS 20x80 astro und TS 25x100 astro aussprechen.
Die Diskussion über die Qualität von China – Produkten im allgemeinen und hier im besonderen sei nur am Rande angesprochen – Gehäuse, Optik, Haptik machen einen sehr guten und sorgfältig verarbeiteten Eindruck – das Fernglas ist meiner Meinung nach wirklich seinen Preis wert ! Diese grundlegende Aussage ist bitte immer vor dem Erfahrungshintergrund eines Vixen 11x80 und eines Fujinon 16x70 zu sehen, mit denen ich vor Jahren ausgiebig astronomisch beobachtet habe und beide später wegen der bekannten astro- und öffnungstechnischen Vergrößerungswut weiter verkauft habe.
Über den Vorteil der dritten Linse im Objektivsystem ist in früheren Testberichten bereits Ausführliches zur gelungenen Korrektur von Bildfeldkrümmung etc. geschrieben worden, das kann beim Test an einem 300m entfernten Stromleitungsmasten mit vielen vertikalen und horizontalen Stahlprofilen von meiner Seite nur bestätigt werden.
Zur Schärfeleistung des TS 20x80 astro deshalb nur soviel:
am Himmel sind die Gesichtsfelder zentral von hoher Schärfe der Sternabbildungen bis etwa 60%, von mittlerer Schärfe bis etwa 85%, am Rand wird’s bauartbedingt mit Koma verzerrt – was mich persönlich aber nicht stört, da ich keine Augenakrobatik für Randschärfetests betreibe und mich am Gesamteindruck des Bildes orientiere und schon immer freuen konnte. Überhaupt finde ich es bei Feldstechern besonders dann unangenehm, wenn die Schärfe nach einem bestimmten Radius von der optischen Achse ausgehend plötzlich fast übergangslos in eine bodenlose Unschärfe/ Verzeichnung abfällt !
Wenn man einen Sterntest, z.B. an Arktur über die Einzelokulareinstellung vornimmt, zeigen sich an meinem Exemplar sowohl intra- , als auch extrafokal an beiden Strahlengängen kreisrunde Beugungsscheibchen mit sauber abgegrenzten Beugungsringen. Das Seeing war zum Testzeitpunkt jedoch auch sehr gut ! Soweit ich es qualitativ beurteilen kann, sind weder Verspannungen der Objektive noch ein astigmatischer Fehler zu erkennen. Die vorhandene chromatische Abberation stört bei der Beobachtung am Sternenhimmel auch nicht : Wega leuchtet definiert und ohne jeglichen Strahlenkranz blau- weiß, Antares rötlich und Albireo zeigt sich mit seinen beiden Komponenten feinstens hellblau und gelblich gefärbt, eine gute Luftruhe vorausgesetzt.
Tagsüber sind an kontrastreichen Hell- Dunkelkanten naturgemäß leichte Farbsäume zu erkennen, die aber bei weit entfernten Beobachtungsobjekten (z.B. Bergsilhouetten in 25km Entfernung) im zentralen Bildbereich nur eine, für meine Empfindung sehr untergeordnete Rolle spielen.
Ganz wichtig ist aber nach meiner Erfahrung folgendes zu beachten:
Grundvoraussetzung für alle vorherigen Feststellungen ist eine ausreichend bemessene Aufstellzeit zum Anpassen des Fernglases an die Umgebungstemperatur, die wirklich unbedingt abgewartet werden muss, sonst erfährt man ein sehr unschönes und ziemlich depressiv endendes First Light – ein wirkliches Schnellspechtelgerät ist die kleine Grazie also nicht! Besitzer von Apo-Triplet-Teleskopen müssen das Spiel kennen, doch die Geduld zahlt sich aus!
Die praktische Beobachtung einiger Messier Objekte der Sommermilchstrasse muss nun die Leistungsfähigkeit nach der Temperaturanpassung des Systems beweisen. Alle nachfolgenden Beobachtungen wurden unter einem guten, bayerischen Voralpenhimmel (ca. 6,0 mag) aus dem heimischen Garten auf einem schweren Alu - Stativ mit 3D - Neiger unter den zeitweise erschwerenden Bedingungen nachbarlicher Zimmer- und Gartenbeleuchtungen gemacht: Nach den andauernden Regenfällen Anfang August 2010 ist die Luft absolut reingewaschen, das Seeing in der Beobachtungsnacht sehr gut und stabil (außerdem ist es eine Neumondnacht):
M 22 – KS im Schützen: sehr hell, großer Durchmesser (im Vergleich zu M13), kein auffallender Kern aber bei indirektem Sehen bereits ganz leicht gekörnt – ein starker Eindruck eines Kugelsternhaufens !
M 8 – GN, Lagunennebel im Schützen: ohne Nebelfilter sieht man bereits leicht die Lagune, aber viel ästhetischer die Sterne des offenen Haufens – mit eingedrehten UHC – Filtern knallen die Nebelbereich ins Bild, die Lagune wird eine plastische Erscheinung , es muss für die jetzt grünen Sterne etwas nachfokussiert werden ! Der nahe Trifidnebel zeigt sich ebenfalls deutlich, eine dunkle, Nord- Süd verlaufende Teilungslinie kann bei längerer Beobachtung indirekt wahrgenommen werden.
M 17 – GN Omeganebel, bei Einsatz der Nebelfilter zeigt sich der Schwan mit Körper und Hals hell auf dem Kopf stehend, eindrucksvoll mit schwachen umgebenden Nebelbereichen, bei ca. 3,2° Gesichtsfeld leider etwas winzig, dafür aber in einem beeindruckenden Sternfeld.
M 11 – OC Wildentenhaufen, ein dreieckiger (ganz leicht gekörnter) Nebel mit einem hellen Leitstern – umwerfende Erscheinung im Sternengewimmel der Scutum – Milchstraßenwolke!
M 27 – PN Hantelnebel im Pfeil, ohne Nebelfilter ein deutlicher, runder Nebel im dichten Sternenfeld; mit UHC- Nebelfilter ein sehr heller Nebel der die Hantelform zeigt und mit indirektem Sehen sind auch die schwachen Nebelbereiche an die Hantel angrenzend (Ohrwaschel) erkennbar – so oft im Teleskop aufgesucht, aber kaum so schön gesehen wie in diesem fast dreidimensionalen Bild !
M 57, M13, M92 nur freihändige Beobachtung von der Gartenliege aus, geht aber bei der Griffigkeit des Glases und einem mittleren Gewicht von ca. 2,5 Kg für jeweils bis zu einer Viertelminute ausreichend gut und ohne zu viel Gezitter, Glas einfach auf den eher harten Gummiaugenmuscheln auf die Augenknochen aufgelegt, ist lange nicht so unangenehm wie es sich anhört ! Da werde ich mir eine Parallelogramm Montierung bauen müssen...
Weitere Beobachtungen mit eingeschwenkten Nebelfiltern:
Cirrusnebel – östlicher Nebelteil (Hexenhand) deutlich, leider sind aus der freien Hand die Strukturierungen der aufgefächerten Gichthand nur zu erahnen; der Sturmvogel – westlicher Nebelteil ist vom Garten aus mit indirektem Sehen an der Sichtbarkeitsgrenze, eine Herausforderung für dunklere Nächte in den Alpen !
Nordamerikanebel – sehr deutliche Abgrenzungen im Bereich Mexiko / Golfküste; aus der freien Hand passt gerade so ins Gesichtsfeld - ich bin schwer begeistert, Pelikannebel als Hauch indirekt zu erahnen !
Auf den Helixnebel in den hoffentlich kommenden, klaren Herbstnächten bin ich jetzt schon gespannt !
Abschließend ist zu sagen, dass ich die Phase der Venus erkennen konnte und zu später Stunde auch der Jupiter, ohne Überstrahlung (Qualität der Vergütung!) und kontrastreich mit dem einen, aktuell noch verbliebenen Band und seinen vier hellen Monden schön zu beobachten war. Mir macht die kleine Grazie TS 20x80 triplet astro mit ihren Filtern richtig viel Freude und ich kann sie bei umsichtigem Gebrauch auch bedenkenlos für die Astrobeobachtung weiterempfehlen !
Zum Schluss dieses kleinen, persönlichen Erfahrungsberichtes ist noch anzumerken, dass ich der Fa. Teleskop- Service in keinster Weise nahestehe; wäre das 20x80 von einem anderen Händler angeboten worden, hätte es mir beim First Light bestimmt genauso viel Spass gemacht !
Christian Müller
Gelting, 11.08.2010
Newtons
-TS Starscope1149 Apos und EDs -William Megrez 72 -TS TLAPO 906 Cassegrain -GSO RC 200mm Ferngläser -20x80 - Nebelfilter Astrofotografie -TS 2z Flattener -Reducer+Flat für EDs -TS Newton Komakorr Sonnenbeobachtung -LUNT LS35 | |||
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