NexStar 80GT

Also, jetzt laß ich "die Katze aus dem Sack": Ich habe vom Wolfgang Ransburg obiges Scope leihweise
Zur Verfügung bekommen. Wollte mein "Fiasko" im Allgäu vom letztem Herbst mit meinem 16" Meade nicht noch einmal erleben.
Durch einen schwer verstauchtem Fuß viel zwar auch diese Reise wieder " ins Wasser"; Trotzdem will ich in mehreren Teilen was über dieses "Wunderteil" berichten.

1. Die "Technische Seite"

Das Scope kommt in einem kleinen, handlichen Karton, der seinerseits wieder einen Karton und der wieder einen Karton hat. Also gut verpackt. Also, das Teppichmesser mutig geführt und: ZACK! Vor mir ein
winziges Scope in einer Metallgabel, dazu ein Alu-Stativ und ein Kasten mit Zubehör.

Zum Scope gehören: Ein 25mm Okular, 10mm Okular, Starpointer, Zenitprisma, Werkzeug.
Dazu Handsteuerbox und Batteriehalter (ohne Batterien)
Deutsche Gebrauchsanleitung, englische (Original) Anleitung, Ergänzungsblatt von "Baader" (in dem die wesentlichen Dinge zusammengefaßt sind. SEHR GUT!) noch dazu eine Astro-Software "The Sky" (habe ich aber nicht installiert)

Die üblichen Arbeitsgänge folgen: Stativ aufbauen-Tubus mit Gabel einsetzten-festdrehen.
Das geht schnell innerhalb von Minuten. Das ganze Teil steht "gut da" . Sehr stabil.

Jetzt kommt die übliche Fahrt mit 120Km/h zum nächsten Baumarkt oder Elektrogeschäft, weil man spätestens jetzt merkt, daß ohne 8 Batterien a 1,5Volt gar nix geht. Ich hatte gottseidank noch genügend da (kann halt beim ALDI an der Kasse schlecht "nein" sagen...
Nachdem die Stromversorgung sichergestellt ist, wird das Anschlußkabel in die dafür vorgesehene Buchse an der Gabelmontierung gesteckt, die Handsteuerbox angeschlossen, und dann blinkt zum ersten Male rothintergrundbeleutet: NEXSTAR Ready!

Am besten ist es, bei Tage den ganzen "Alligment"Prozess durchzuspielen, denn das muß man sagen: Einfach drauflos drücken geht nicht. Man braucht einige Zeit, um die Befehle, die notwendigen Vorarbeiten zu verstehen; den der Microprozessor ist genauso dumm wie sein Besitzer!
Man muß also Beobachtungsdatum, Ort, Zeitzone, Sommer-oder Winterzeit, einstellen -einiges läßt sich dauerhaft programmieren- leider ZUWENIG.
Wenn die ersten hellen Sterne zu sehen sind, kann's losgehen:
1. Scope rausstellen Richtung NORDEN. Das ist SEHR wichtig: steht das Scope zu weit von der Nordrichtung entfernt, ist alles zu ungenau bei der automatischen Positionierung.
2. Dann das Scope waagerecht einstellen. Geht gut mit einer kleinen Wasserwaage.
3. Dann geht's los: Das Scope fährt festeingestellte Sterne an. Der Microprozessor "weiß" was gerade los ist am Himmel. Steht der angefahrene Stern hinter einem Haus bzw. Bäumen, wird's schwierig. A) Ich als "Kenner" (hüstel -zumindest der ganz ganz hellen Sterne...) weiß das und kann durch eine Kommandounterbrechung (UNDO) die Fahrt stoppen, das Scope fährt dann einen anderen Stern an. Dieses Spielchen geht solange, bis ein brauchbarer Stern anvisiert wird. War jetzt die Grundaufstellung sorgfältig genug, zeigt der Tubus FAST Richtung Stern. Mit den Bewegungstasten wird dann die Feinarbeit erledigt. Zentriert in der Gesichtsfeldmitte, ALLIGN drücken. Fertig. Die ganze Prozedur wird an einem 2. Stern wiederholt, der einen deutlichen Abstand in beiden Parametern vom 1. Stern haben muß. Das alles klingt schwerer als es ist, nach ein paar Tagen geht diese Prozedur innerhalb von 10min.

Jetzt kann's losgehen! Was gucken wir denn heute? Aha! Zum 192293.Mal M 13? Klar doch! Der ist doch immer schön! Also, auf " M " gedrückt" dann " 13 " eingeben, "Enter " drücken und ab geht die Reise!
Man kann sicher sein, daß M 13 dann im Gesichtsfeld steht. Zwar nicht so gigantisch wie mit 16" Dobson, aber immerhin: da sprenkelts durchaus im Haufen rum.
Sterne sind nadelfein, von dem Farbfehler nichts zu sehen. Doch davon später.

Alle M-Objekte, viele NGC-Teile, Doppelsterne, alle Planeten einschließlich Sonne und Mond: Alles in allem über 4000 Objekte könnte jetzt durchgedrückt-angefahren-beobachtet werden.

Der Abend begrenzt entweder a) ein murrender Partner (bei mir nicht-Gottseidank!) b) Temperaturen unter 30Grad minus oder c) Batterien sind leer.
Bei mir traf nach etwa 2,5 Stunden Punkt c) ein.
Also, WICHTIGSTER Tipp: Netzteil besorgen! 12V und 800mA. Dann läuft die Kiste! Aber Vorsicht!! Polung und Stromstärke etc. MUSS stimmen sonst ist die Kiste Schrott!!

Erstaunlich: die Justierung des Scopes bleibt über STUNDEN erhalten. Habe mal morgens um 3 Uhr "geeicht", bin dann nach einer Stunde in die Heia zurück: Um 9Uhr morgens habe ich bis etwa 12Uhr Jupiter, Venus, IMMER noch jedesmal nach dem automatischen Anfahren im Gesichtsfeld wiedergefunden. Am Ende allerdings immer schwerer: Objekte fast oder knapp außerhalb des Gesichtsfeldes.
Da macht sich die ungenaue Aufstellung bemerkbar.
Doch wer da drüber meckert, dem gehört das NEXSTAR 80 um die Ohren gehauen.

Leider konnte ich noch nicht viel beobachten bis jetzt. Aus fusstechnischen Gründen.
Doch selbst wenn die zwei Ausgangssterne sehr ungenau angefahren werden zu Beginn, und man mit den Richtungstasten "viel nachstellen" muß, ist die Positionierungsgenauigkeit bemerkenswert.
IMMER war alles drinnen. Die genauen Objektbezeichungen folgen.
Die Lautheit der Motoren bei der Positionierung ist gewöhnungsbedürftig: "Sägend", wie Herr Birkmeier in seinem Katalog schreibt, trifft den Kern. Die dann auf die Positionierung folgende normale Nachführgeschwindigkeit in zwei Achsen ist dann allerdings fast nicht mehr hörbar.
Celestron wollte es " wohl schmelzbare laut hinter sich bringen"...

(Gibt's überhaupt LEISE Positionierungsmotoren? Bei Vixen, Meade xyz???)

Negativ fällt mir bis jetzt nur auf: manchmal positioniert die Kiste "umständlich", d.h. sie fährt nicht den direkten Weg zum Objekt. Das kann bedeuten-und das passiert einmal die Nacht wenn man Pech hat- das der Tubus durch das "Rumgerühre" irgendwo an das Stativ anstößt und hängenbleibt. Das ist zwar weiter nicht tragisch- weil Rutschkupplungen schlimmes verhindern- doch die Kalibrierung ist futsch.Andererseits sind diese Bewegungen nicht vorhersehbar; Ein "spannender Beobachtungsabend" ist also vorprogrammiert. Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, nach dem "Rumms" ans Stativbein meinerseits auf Celestron mit einem Schluck aus der Beobachtunspulle anzustoßen....


Soweit meine ersten Eindrücke.
Wäre ich Einsteiger, wäre so ein Scope eine tolle Sache. Nochdazu lernt man Objekte "spielend" kennen; noch ein Karkosckka mit drauf auf die Grundausstattung, und der angehende Sternfreund hat viel zu sehen.
Was sieht man also bei 80mm? Genug. Was halt 80mm so hergibt. Durchaus kein Planetenscope. Bei 7mm Nagler und Barlowlinse ( also 114x) kommt der Saturnring sehr gut, mit Teilung. Hauptbänder auf Jupiter.

Weitere Objekte, wenn ich wieder laufen kann.

Klarinetto

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