„Der Doppelrefraktor 70/700“ gebaut von Thomas Mann.

 

Ein Erfahrungsbericht von Bernd Lindner

 

Nachdem ich nun zwar erst seit einem guten Jahr ernsthaft in Schrift und Wirklichkeit unter Zuhilfenahme von optischen Geräten, auch als Teleskope bekannt, den Himmel und das, was darin verborgen ist, um so intensiver zu erkunden versuche, so habe doch in dieser Zeit nicht gespart, den Gerätepark und die damit verbundenen Erfahrungen konsequent und kontinuierlich zu mehren. Vom kleinen ETX über den 10“ Newton EQ und Dob zum 12“ SC, dann erst zum Refraktor, oder besser: zu den Refraktoren, nämlich einem 90mm f13, einem 102/1000 Synta und zuletzt dem NA140SS. Nachdem man immer wieder liest, daß auch die Anwendung von Binokular-Ansätzen bei manchen Menschen zum einen oder anderen Glückszustand führen kann und ich vor einiger Zeit günstig das kleine Baader erstehen konnte, so lag und liegt es eigentlich völlig konsequent im eingeschlagenen Weg, die Gelegenheit wahrzunehmen und den Doppelrefraktor von Tom zu testen.

 

Was hat man davon, mit 2 Augen statt mit einem in den Himmel zu gucken? - Na ja, zum einen verschenkt man nicht die (normalerweise) halbe Sehkraft, man muß nicht ein Auge zukneifen, sondern kann den Blick entspannt in die Ferne schweifen lassen und: Man hat sowas ähnliches wie einen dreidimensionalen Eindruck oder das Gefühl, mitten drinn zu sein.

 

Zunächst besteht aber ja bei jeder Doppeloptik das Problem, das Licht der Optik parallel in die Pupillen zu bekommen. Nun hat jeder Mensch einen anderen Augenabstand und zudem ist die Sehschärfe individuell. Beim Fernglas werden die Optiken mechanisch zueinander auf Augenabstand geschwenkt. Die optischen Achsen, die ja weiter als der Augenabstand auseinanderliegen, werden dabei mit Prismen nach innen umgeleitet. Das gleiche Prinzip liegt beim Binokular-Ansatz vor, nur daß hier zuvor der monokulare Lichtweg geteilt wird, sodaß die Lichtmenge halbiert und auf die zwei Okularausgänge verteilt wird (abzüglich Lichtverluste durch Prismen und Lichtdurchlass-Öffnung). Der Augenabstand wird durch Auseinander- oder Zusammenschieben der beiden Okularhülsen errreicht. Mit Hilfe einer angebrachten Skala kann man sich seinen perönlichen Augenabstand merken und reproduzieren. Scharf gestellt wird am Fernglas pro Auge oder global für beide Augen, wobei das 2. Auge mit Drehfokussierung an das erste angepaßt werden kann. Beim Binokular geht es ähnlich. Man stellt den Augenabstand ein, dann am Teleskop auf ein Auge scharf und dann passt man das 2. Auge an. 

 

Zunächst möchte ich beschreiben, wie nun diese Situation beim Doppelrefraktor von Tom gelöst ist:

 

Die beiden 70/700mm Tuben werden mittels einer sehr massiven, 15cm langen Metall-Doppelhülse, in der die Tuben parallel zueinander angeordnet sind, mit je 2x3 Imbusschrauben M5 gehalten; das ist im Prinzip genauso wie bei vielen Sucherfernrohren, nur halt zwei mal nebeneinander. Da der effektive Tubusdurchmesser an den Taukappen bei einem 70mm Refraktor bereits 100mm ist, wäre bei normaler paralleler Anordung der Tuben der minimale Augen- oder Pupillenabstand 2 mal halber Tubusdurchmesser = 10cm, was ich aus ästhetischen Gründen niemandem wünsche ... . Das kleine Baaderbino läßt sich z.B. zwischen ca. 54mm und 77mm Pupillenabstand einstellen; bei mir sind es 67mm, was so etwa in der Mitte liegt.

Wie kommt man nun ohne rohe Gewalt und mit einfachen, d.h. kostengüstigen Mitteln trotzdem dazu, mit beiden Augen durch so eine Anordnung sehen zu können?  Ganz einfach: Man trickst ein wenig. Man ordnet die Tuben übereinander an und zwar so, daß dann, wenn man von oben daraufschaut der Abstand der optischen Achsen etwa der ist, der dem Pupillenabstand entspricht; die Tuben überlappen sich also ein wenig. Ok, nun ist der Pupillenabstand schon mal gleich, aber nun muß ja noch das Licht des einen Tubus mit gleicher Brennweite in die Etage des anderen gebracht werden. Das ist nun auch nicht so schwer, wie man zuerst vielleicht denkt: Man kürzt den einen Tubus vor dem Okularauszug und verlängert ihn dahinter, nach dem Zenitprisma um den gleichen Wert mittels einer Hülse, die den Okularauszug an der Stelle verlängert, wo sonst das Okular sitzt. Im Idealfall wird nun das ganze so gedreht und gewendet, bis beide Tuben so diagonal zueinander verdreht sind, bis die beiden Okulareinsteckhülsen auf gleicher Höhe und parallel zueinander stehen und der Abstand dem persönlichen Augenabstand entspricht. Scharf stellt man entweder an den Okularauszügen und/oder durch Verschieben der Okulare in ihren Hülsen. Durch Verstellen nur eines Okularauszuges kann man dabei quasi die Feineinstellung des Augenabstandes regeln.  Der eine Tubus ist dabei also kürzer wie der andere und nach hinten in Richtung Beobachter versetzt, dafür bekommt er aber eine schöne Verlängerungshülse nach dem Zenitspiegel.

Das klingt nun vielleicht etwas kompliziert; ich kann aber berichten, daß ich (ohne offizielle Justieranleitung, quasi autodidaktisch) die Optik nach dem Auspacken und Aufstellen nach ca.15 Minuten vom Lieferzustand auf meinen persönlichen Pupillenabstand einstellen konnte, ohne daß mir nach dem Durchschauen schwindelig wurde. (Details kommen weiter unten... .)

 

Montierung?

Nun hat man durch die in sich fixe Anordnung, ist sie erst einmal auf den persönlichen Augenwert eingestellt, die gleiche Situation wie bei einem Newton. Jeder, der einen Newton äquatorial und ohne Drehringe montiert hat, weiß ganz genau, was ich meine. Die Beobachtunsposition kann nämlich im ungünstigsten Fall so sein, daß man sich spätestens nach dem Umschlagen der Montierung entweder über oder - was noch ungünstiger ist, unter den Tubus beugen muß. Da ist dann ein Dobson wieder schön: Da bleibt der Okularauszug immer an der gleichen Stelle im Tubus.

Nun ist es beim Doppelrefraktor genauso, wie wenn man am Newton (wenn es der Lichtweg erlaubt) ein Bino verwenden will. Da gibt es wenige Positionen, die man als ideal bezeichen kann. Immerhin kann man hier das ganze Bino noch im Okularauszug drehen, um beide Augen irgendwie parallel reinzubekommen. Beim Doppelrefraktor ist ja nun das ganze Gerät das Bino. Man muß also die ganzen 6,5kg möglichst flexibel und dennoch stabil  anordnen können.

Dies ist die Aufgabe einer Montierung.

Im Lieferumfang des Prototypen, den ich bekommen habe, war eine EQ1, die wohl auch die Ursprungsmontierung eines der Tuben war. Tom hat mir schon vor der Zusendung gesagt, daß er die bei der Serie nicht verwenden wird. Und so habe ich als erstes, nach durchgefallenem Montierungstest des Doppelrefraktors auf der EQ1, die hoffnungslos überfordert war, im hauseigenen Lager nach einer geeigneteren Bleibe für die Optik gesucht. Wegen der genannten Problematik bei Verwendung einer äquatorialen Montierung habe ich letzteres erst einmal nicht mit einer vorhandenen, alten NewPolaris oder einer arbeitslosen V8 probiert. Es geht wohl, wenn man die Polhöhe auf 90Grad feststellt, die Azimutfeineinstellung, sofern vorhanden, außer Betrieb setzt, die Befestigung der Montierung auf dem Stativ in Azimut lockert und als vertikale Drehachse verwendet, die DEC-Achse wird zur Horizontalachse. Der Refraktor hängt dann wie bei der Giro-Montierung mit vollem Gewicht auf der einen Seite, auf der anderen das entsprechende Ausgleichsgewicht. Die Tuben müssen dann nur noch so gedreht werde, daß man von oben bzw. schräg hinten in die Okulare schauen kann.

Ich wollte die Anordnung aber nicht schwerer machen, als sie ohnehin schon war und hatte auch noch zufällig eine azimutale AZ3-Montierung da, die ich vorsorglich gebraucht besorgt hatte. Die ist schön leicht und hat Feineinstellungen in den benötigten  Achsen und alles ist viel einfacher, im Prinzip.

 

Nun muß nur noch der Doppelrefraktor auf die Montierung.

 

Die beiden Tuben sind ja mit der Doppelhülse fest miteinander verbunden. Die Verbindung zur Montierung geschieht mittels einem Paar Originalschellen, die im Lieferzustand am unteren Tubus befestigt waren. Die beiden Schellen verbindet ein längliches Flacheisen mit 2 Klötzen an jedem Ende, auf denen je eine Schelle verschraubt ist. In die Mitte der Schiene sind zwei Gewindeschrauben hineingeschweißt, die nach unten rausschauen und deren Abstand so gewählt ist, daß er auf die EQ1 - und erfreulicherweise auch auf die AZ3 passt.

Also dann nix wie d’rauf, auf die Montierung und Doppelrefraktor in den gelockerten Schellen des unteren Tubus so gedreht, bis die Okularenden parallel zum Horizont stehen.

 

Jetzt geht’s wirklich los!

 

Nun gibt es ja manchmal schlechtes Wetter, und so war es um so erfreulicher, daß schon nach 3 Tagen für eine halbe Stunde Sterne am nächtlichen Himmel ausfindig gemacht werden konnten. So konnte ich wenigstens die Feinjustage der Tuben zueinander, die ich vorher an weit entfernten Baumspitzen geübt hatte, im Ernstfall mal ausprobieren. Man verstellt eigentlich nur noch drei Schrauben eines Tubus, sinnigerweise die hinteren drei des oberen Tubus, weil man da ja nur das Gewicht des einen Tubus verstellt. Diese drei Schrauben hatte ich zuvor noch durch 3 Flügelschrauben ersetzt - Obi und M5 (-Gewinde) sei dank.... So erspart man sich die Geschicklichkeitsübung, mit den zwei Imbusschlüsseln im Dunkeln nach den entsprechenden Öffnungen zu suchen, was ziemlich schnell langweilig wird.

 

Der erste Justagetest am Stern war erfolgreich. Die Feinabstimmung der Montierung aber noch nötig. Nachdem die Anordnung der Tuben etwa  20cm hoch baut, entsteht bei Überschreiten eines bestimmten Winkels an der AZ3, die ja keine Gegengewichte hat, ein so großes Drehmoment, daß die Position der Tuben nicht mehr gehalten wird, es sei denn man knallt die zentrale Schraube für die Horizontalachse übermäßig fest. Aber dann verliert man ja wieder im gleichen Maß die Verstellbarkeit; außerdem bekommt die ganze Anordnung bei höhergerichteten Tuben schon ein rechtes Übergewicht nach hinten. Glücklicherweise zog es nach Feststellung dieser Unpäßlichkeit wieder zu und so konnte ich im Bett in Ruhe über eine praktikable Lösung des Problems nachdenken, die dann war:

Tieferlegen!!! (half ja schon so manchem Mantafahrer)

Gedacht, getan: Durch den seitlichen Versatz der beiden Rohre sollte es möglich sein, die Anordnung so zu verändern, daß nicht mehr, wie „werkseitig“, der untere Tubus mit Schellen auf der Monti befestigt ist und der 2. Tubus schräg darüber, sondern daß der Obere Tubus mit den Schellen an der Montierung befestigt wird und der untere seitlich versetzt daranhängt. Der Schwerpunkt  liegt nun ca. 6cam tiefer und vor allem fast schon auf Höhe der horizontalen Drehachse. Der Tubus hält auch in zenitnaher Stellung und läßt sich trotzdem noch verstellen. - Ach ja: Ich habe nur noch den kompletten Doppelrefraktor um einen Befestigungspunkt nach vorne gesetzt: Die hintere Schraube der Befestigungsschine der Tuben sitzt jetzt im vorderen Befestigungsloch der AZ-3, wodurch der Tubus beim Hinaufschwenke in den Himmel etwa über der Montierung sitzt. Durch die solide Ausführung und den guten Sitz der Schiene auf der Montageplatte der AZ-3 war dies noch keine Überforderung für die eine M6-Schraube, die nun ein Solo hatte. - Da muß noch ein bischen fein abgestimmt werden (s.u.) Nach dieser letzten kleinen Modifikation, die sich schnell in die Tat umsetzten ließ, kam so etwas wie eine erste Euphorie auf, nachdem jetzt einem genaueren optischen Test nichts mehr im Wege stand!

 

2 Tage später am gleichen Ort:

 

Wieder mal hatten sich alle clear-skies Wünsche der Astronomen unseres Planeten (hier zumindest Abteilung Deutschland-Süd) soweit aufsummiert, daß sich schon tagsüber und vor allem bis in die tiefe Nacht hinein keine Wolken in die Nähe wagte. Schon frühzeitig waren alle Gerätschaften aufgebaut worden.  Als Okulare standen jeweils ein Paar zur Verfügung von : LV10mm und von Meade: 25mm Ser.3000,  13,8mm SWA und 6,7mm UWA.

 

Ich hatte zuvor weder mit einem, noch mit zwei Augen durch ein 70mm Teleskop dieser Preisklasse  gesehen. Als erstes fiel der relativ dunkle Himmelshintergrung auf, was an sich ein Zeichen der Lichtstärke oder hier: relativen Lichtschwäche ist. Der Himmel ist etwa so dunkel, wie in einem Großen Teleskop bei sehr hoher Vergrößerung. Die Sterne kommen dadurch schön raus, auch wenn natürlich diese ebenfalls nicht so hell sind. Erst mal den Doppelrefraktor auf ein paar gute Bekannte geschwenkt: M13 (am Rand schön aufgelöst mit einigem Spreckel darüber), Ringnebel M57 (Ring als solcher sichtbar), epsilon lyrae (beide Komponenten jeweils einwandfrei getrennt, auch mit einem Auge/Tubus), Hantelnebel M27 (gar nicht so schlecht). Insgesamt erstaunlich, was bei der kleinen Öffnung noch hinten rauskommt. Ich war angenehm überrascht. Da der Doppelrefraktor so, wie ich ihn bekam, ohne Suchvorrichtung ist, kann man sich in schwierigeren Fällen helfen, indem man einen Tubus mit niedriger Vergrößerung als Sucher benutzt, im anderen Tubus hat man die hohe Vergrößerung. (- Ich würde mir einen Starpinter draufkleben... )

Natürlich ist diese Optik nicht die neue Wunderwaffe gegen alle Feinkost, die ebenfalls kleinere Tuben hat. (Ich konnte vor kurzem  einen 78mm Takahashi Fluorit-Refraktor „durchäugen“, davon würde ich dann schon ein odet zwei nebeneinander vorziehen, wenn es nur um die optische Leistung geht, klar.) Auch soll der kleine Doppelrefraktor mit Sicherheit nicht alles überflüssig machen, was sonst noch am Markt so existiert.  - Aber hier geht es ja um was anderes: Wie bekommt man mit wenig (auch finanziellem) Aufwand viel Seherlebnis. Und da muß man dann eben berücksichtigen, daß der ganze Doppelrefraktor etwa soviel kostet wie ein kleiner Binokularansatz ohne Teleskop davor.

Und dafür dachte ich mir:  Nicht übel! Vor allem das total relaxte Gleiten über den Himmel, das ich ja vom Bino her kenne, ist das, was den Unterschied macht. Man kann vergessen, daß man durch eine Optik schaut, vor allem, wenn die Okulare nicht zu kleine Gesichtsfelder haben. Es fiel noch auf, daß anscheinend unser Gehirn noch ein bischen was dazumacht: Man hat bei beidäugigem Sehen irgendwie das Gefühl, daß das Wahrnehmungsfeld breiter ist, obwohl ja jedes Auge das gleiche sieht. Der dreidimendionale Eindruck, den man auch vom Bino kennt, entsteht im Hirn, nicht in der Optik. Aber das muß man halt mal erlebt haben und man muß auch damit klarkommen, beide Augen vor den zwei Okularen zu synchronisieren. Es gibt da ja Menschen, die finden den Blick durch ein Bino aus mir unerklärlichen Gründen entsetztlich (ich kenne sogar so jemanden persönlich... sorry, Joe!) , aber andere widerum fühlen sich regelrecht amputiert, nur mit einem Auge in den Himmel zu schauen (verstehe ich...). Also der Doppelrefraktor ist natürlich nur was für letztere. Mir fiel noch auf, daß beim Justieren am Himmel unsere Sehautomatik ungefragt ganz schön mitmischt: Wenn die Optik noch nicht ganz genau justiert ist, sieht man zwar ein Maximum an Doppel- und Mehrfachsternen, sobald man aber mit den Justierschrauben in die unmittelbare Nähe des richtigen Schärfepunkte kommt, macht es von alleine einen Schwupps, und die Augen werden auf die Unschärfe synchronisiert bzw. aus dem noch leicht unscharfen Doppelbild stellt das Hirn scharf, indem die Augen entsprechend verstellt werden (= schielen). Man sieht dann zwar scharf, hat aber ein leicht angezerrtes Gefühl im Kopf. Diese Gefühl ist dann aber ein ganz guter Indikator für die Feinabstimmung der Justage: Sobald nämlich der wirkliche Schärfepunkt erreicht ist, entspannen sich die Augen wieder spürbar und alles wird gut. Man kann das echt toll wahrnehmen. Wenn man dann ein bischen geübt hat, kann man auch durch bewußtes „Geradeausstarren“ beim Justieren diesen Autoschwupps unterbinden. Ein weiterer Trick ist, die eine Optik durch leichtes verschieben des Okulars im Okularauszug so weit unscharf zu stellen, daß unser Hirn dann das unscharfe Bild des Sterns nicht mehr als das gleiche Objekt wie das scharfen daneben erkennt und es aufeinander abstimmen will. Man kann dann den scharfen Stern ganz genau über die Mitte des unscharfen bringen. Danach ruft man: „Feuer!!!“ und stellt den unscharfen  wieder in der Okularhülse scharf.

 

Dann kam der Mond.

 

Nach einigen Belichtungen am Nebengerät, das sich auch über den tollen Himmel freuen durfte, war klar: Er kommt. Es war schon 02.00 Uhr und da mir Tom so von seinen Mondausflügen mit dem 70/700 DR vorschwärmte, war klar, daß ich da auch nochmal genauer nachgucke. Ich mußte noch eine Stunde warten, bis der Mond für mich sichtbar wurde; diese Stunde Warten hatte sich dann aber wirklich gelohnt. Whow! Mit den Weitwinkelokularen hatte ich ein riesengroßes abnehmendes (Halb-) Mondbild mit dünnem schwarzen Rand herum vor Augen. Filter waren erst mal nicht nötig. Ich kannte das ja schon vom Bino mit 12“ SC, aber hier dachte ich mir: Allein schon für die Mondbeobachtung würde sich dieses Gerät lohnen. Es ist zum einen das entspannte Beobachten. Man kann locker am Stück 10 Minuten und länger durch die Okulare blicken. Dazu kommt der schon beschriebene Breitwandeffekt. Das ist ein bischen so, wie in Spielfilmen immer der Blick durch ein Fernglas suggeriert wird: Man sieht so eine Doppelblende, die in der Mitte durchbrochen ist. So krass ist es natürlich nicht, aber der Seheindruck ist mit den zwei Augen größer, vor allem breiter wie mit einem Auge. Schön! Um 04.00 ging ich dann endlich in’s Bett. Nun hatte ich genug Eindrücke für den Bericht.

 

Zusammenfassung:

 

Der Doppelrefraktor ist für sein Geld sehr schön. Es hat Spaß gemacht, das Teil etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Mein Bericht soll dabei keinerlei wissenschaftliche Abhandlung sein, dazu fehlt mir ja der Background. Er schildert meine Eindrücke, die ich in Beziehung zu dem gesetzt habe, was ich bisher selbst mit Teleskopen erlebt habe. Über die Optik eines Lidlscopes wurde und wird bereits zur Genüge berichtet, das wollte ich mir sparen.

Die Alternative zum Doppelrefraktor nun ist ein Bino mit größerem Rohr dahinter, was deutlich mehr Kosten verursacht. Dafür ist das System weniger justieranfällig und kann schneller auf einen anderen Augenabstand eingestellt werden. Im Vergleich zum Fernglas hat man natürlich beim Doppelrefraktor die Flexibilität der austauschbaren Vergrößerung. Die mechanische Ausführung der Tubenverbindung ist sehr massiv, für meinen Eindruck sogar deutlich überdimensioniert. Die Verarbeitung der Anbauteile ist sehr sauber und genau. Mit den ausgetauschten Flügelschrauben ist die Justage leicht zu bewerkstelligen. Tom wollte auch noch eine Anleitung dazu verfassen. Sicher war ich mir immer nicht, wie fest man die Tuben mit den Halteschrauben fixiert. Ich wollte keine Dellen in den Tubuswänden erzeugen, und so stellte ich die Justierung nicht zu fest (... trotzdem waren und sind Spuren auf dem Tubuslack; vielleicht wäre eine Kunststoffscheibe was, die auf den Tubus geklebt wird). Das hatte zum Ergebnis, daß während des Betriebes schon nachjustiert werden mußte. Dafür war auch die AZ3 verantwortlich. Weil ich kein 100%ig ausbalanciertes System hatte, mußte ich die Horizontachse doch etwas festziehen. Wenn man beim Umschwenken dann aus Versehen wie gewohnt am Okularauszug eines der Tuben oder an letzterem selbst anfasst, verstellte sich die Justage etwas. Hier ist dann eine leichtgängig ausbalancierte Montierung doch die bessere Wahl, die man sich aber mit mehr Gewicht und Größe erkauft. Auch wäre so was wie eine Schwenkstange direkt an der Doppelverbindungshülte oder der Schiene, auf der diese sitzt (ähnlich wie bei einem Videostativ) nicht unpraktisch... Aber ich hatte ja den Prototypen und Tom hat mir noch vor Abschluß meines Berichtes folgende Punkte gemailt, was er am Serienmodell modifizieren will:

 

1. okularaufnahme wird genauer (ich habe leider die maße vom original übernommen)

2. das doppelrohr wird radikal abgespeckt.

3. ein tragegriff wird direkt am doppelrohr angeschweißt.

4. lackierung wird verbessert (richtig in der lackiererei gemacht)

5. okularauszüge werden ca 5 cm eingekürzt.

6. aufnahme wird für die gp oder eq5 sein.

der preis steht jetzt fest (DM 1200.-. ohne montierung). Erhältlich bei Teleskop-Service Wolfi Ransburg


Ich wünsche allen Betroffenen natürlich noch „clear skies“, für jedes Auge einen extra.

Bekanntlich soll doppelt ja manchmal besser halten.

 

Bernd Lindner

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