TS Astro Praxis

Refraktortest

Welche Sorgen treiben den Sternfreund herum, wenn es um einen Fernrohrkauf geht. Natürlich der Preis. Wer will schon gerne zuviel bezahlen. Wir glauben aber, daß die Sorge um die mechanische- und optische Qualität für fast alle Sternfreunde ein wichtiger Punkt ist.

Die Mechanik ist einfach zu beurteilen - entweder sie funktioniert oder nicht. Sehr schnell hat man herausgefunden, ob die Montierung Spiel hat oder richtig nachführt, nur um zwei Beispiele zu nennen.

Aber wie steht es mit der Optik? Mal ist die Luft zu unruhig, mal hat man keine Zeit, das Fernrohr auskühlen zu lassen. Immer ist die Frage im Kopf, ob der mehr oder weniger runde Punkt, den ich da sehe, wirklich das Bestmögliche ist, was mein Fernrohr hervorbringt. Gerade bei Refraktoren ist zum Beispiel der Sitz des Objektives in der Fassung von maßgeblicher Bedeutung für die Abbildungsqualität. Eine kleine Verspannung und aus ist es, Wir wissen, daß kein Hersteller immer perfekt ist.

Der Lösungsansatz von Teleskop-Service

Um sicher zu gehen, daß Sie eine gute Qualität bekommen, werden die Teleskope bei uns, vor Versand, getestet.

Bei vielen Geräten erhalten Sie bereits den Ronchi Test im Wert von Euro 50,- dazu. Auf Wunsch und gegen einen Aufpreis von Euro 50,- erhalten Sie auch einen kompletten Sterntest. Dieser umfasst neben dem Ronchi Test noch drei weitere Aufnahmen. Eine Aufnahme des Sterns innerhalb des Fokus, eine Aufnahme des Sterns außerhalb des Fokus und eine hochvergrößerte Fokalaufnahme.

Nachfolgend stellen wir Ihnen diesen Test vor. Das Testfernrohr ist ein Antares-Skywatcher Achromat mit 150mm Öffnung und 1200mm Brennweite.

Grundlagen

BlickaufkuenstlStern.jpg (18039 Byte) Als künstlicher Stern dienen uns eine Punktlichtquelle in endlicher Entfernung und ein Stern im Unendlichen. Dieser Stern wird über eine ausgezeichnete Referenzoptik erzeugt. Die Punktlichtquelle ist sehr gut zur Justierung der Optik und zur Überprüfung von Verspannungen oder Astigmatismus und ähnlichem geeignet.

Der Stern im Unendlichen hingegen wird dann eingesetzt, wenn auch ein weiterer Test benötigt wird, der zeigt, ob die Optik auch sphärisch gut korrigiert ist.

Dieser Test kann nur mit einem wirklichen Stern oder eben mit einem künstlichen Stern im Unendlichen gemacht werden. Eine sphärische Abweichung ist dann gegeben, wenn die Lichtstrahlen von den Randbereichen des Objektives eine anderen Brennpunkt haben, als die Lichtstrahlen der zentralen Bereiche. Der Stern wird also nicht in einem Punkt, sondern auf einer Linie entlang der optischen Achse fokussiert. Wenn die Abweichung zu stark ist, leidet darunter der Kontrast und die Schärfe, besonders bei der Mond- und Planetenbeobachtung.

Als Vorbereitung wird der Refraktor auf eine Wiege gelegt, mit der man das Fernrohr genau auf den Stern ausrichtet. Danach erfolgt ein kurzer kosmetischer Test.

Einrichtung des Okularauszuges

EichungOkularauszug.jpg (12903 Byte) Die ganze Testerei ist unsinnig, wenn der Okularauszug nicht genau parallel zur optischen Achse ist. Um dies zu überprüfen wird anstelle des Okulares ein Laser in den Auszug gesteckt und auf Anschlag gebracht.

Der Laser darf nur satt im Auszug stecken und nicht geklemmt werden, da sich der Laser sonst verkantet. Wenn der Laserpunkt, wie auf dem Bild, genau auf die Mitte des Objektives fällt, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, muß der Okularauszug eingerichtet werden.

Wenn der Okularauszug nicht eingerichtet ist, schaut er auf randnähere Bereiche des Objektives. Man wird nie die optimale Leistung haben, egal wie gut das System ist.

Justage des Objektives

Chesire.jpg (12612 Byte) Nun wird das Justierokular angesetzt. Das Chesire, welches wir auch im Sortiment haben, wirft ein Lichtbündel in den Strahengang. Es erfolgt eine Reflektion am Objektiv. Jede Linse erzeugt einen ringförmigen Reflex.

Nun ist es unsere Aufgabe, diese beiden ringförmigen Reflexe in Übereinstimmung zu bringen. Dies geschieht durch minimales Verkippen der Fassung des Objektives. Nun sieht man, wie wichtig es ist, erst den Okularauszug zu eichen (und natürlich zu verhindern, daß er wackelt). Ansonsten würde man die Dejustage des Auszuges, mit einer Dejustage des Objektives

ausgleichen. Das ist ein fauler Kompromiss. Zum Chesire ist zu sagen, daß diese Testmethode sehr empfindlich ist. Selbst wenn die Ringe nicht ganz konzentrisch sind, würde man nicht mal am künstlichen Stern einen Unterschied sehen - am realen Stern erst recht nicht.
Kollimation.jpg (13313 Byte) Normalerweise haben größere Refraktoren eine Justiervorrichtung am Objektiv. In diesem Fall wird uns die Arbeit recht leicht gemacht. Durch ein vorsichtiges Verkippen mit den jeweils 3 Zug- und Druckschrauben ist die Justage recht schnell erledigt.

Die gute Verarbeitung der mechanischen Elemente garantiert Ihnen auch eine Haltbarkeit der Justage.

Etwas komplizierter und viel zeitaufwendiger ist die Eichung von Objektiven, die nicht justierbar sind. Aber auch in diesem Fall bekommen wir die Geräte gut justiert, so daß Sie auf jeden Fall die volle optische Leistung ausschöpfen können, die in dem Gerät steckt.

Endgültiger Test am künstlichen Stern

ExtrafokalkuenstlStern.jpg (8333 Byte) Nun kommt es an den Tag - haben wir gut gearbeitet oder nicht.

Die nebenstehende Abbildung zeigt einen künstlichen Stern in endlicher Entfernung bei einer Vergrößerung von 400fach. Die Ringe sind zentrisch. Dieses Fernrohr wird auf jeden Fall schöne punktförmige Sterne hervorbringen.

Wenn beispielsweise ein Astigmatismus vorliegen würde, wäre der unscharfe Stern oval - wie eine Ellipse. Beim Durchgang durch den Fokus würde sich die lange Achse um 90° drehen.

Bei einer Dejustage wären die Ringe nicht konzentrisch und bei Verspannungen würden größere Zacken zu sehen sein oder das Ganze wäre zu einem unregelmäßigen Drei- oder Mehreck verzogen.

Da der Bereich zwischen den Ringen dunkel ist, können wir auch von einer recht glatten Oberfläche der Linsen ausgehen. Der Kontrast wird sicher gut sein.

fokalkuenstlStern.jpg (6303 Byte)
Ein letzter Blick auf den Stern im Unendlichen, wieder bei einer Vergrößerung von ca. 400fach. Wir können zufrieden sein.

Ein sehr großer Teil des Lichtes ist in die Beugungsscheibe konzentriert. Der Blick auf die extra- und intrafokale Sternabbildung zeigt ähnliche Helligkeitsverteilungen. Fokal sind nur sehr wenige Beugungsringe zu sehen und diese sind symmetrisch.

Mit diesem Fernrohr werden schöne Beobachtungen möglich sein und auch der Farbfehler wird sich in Grenzen halten. Gerade an Objekten, wie Mond und Planeten wird dieser Achromat eine großartige Leistung vollbringen.

Schlußbemerkung

Der Test auf der optischen Bank und auch am Himmel, bei sehr ruhiger Luft ist notwendig. Gewisse Testverfahren, wie die Überprüfung der Justage mit einem Justierokular oder auch die extra- und intrafokale Betrachtung eines Sterns, nur um zwei Beispiele zu nennen, sind sehr empfindlich.

Mindestens genauso wichtig, wie die Anwendung der Tests, ist auch die Auswertung. Hier ist vor allem die Frage zu stellen, wie sich eine leichte Abweichung von der Idealnorm, auf die Abbildung im Fokus, wo man ja schließlich die Objekte beobachtet, auswirkt.

Kein Fernrohr ist perfekt. Bei genügend empfindlichen Tests wird auch ein Apo von Spitzenfirmen mit klingenden Namen Fehler aufweisen, die man mit unseren Testmethoden auch sieht. Dies gilt natürlich noch mehr für die preiswerten und guten Refraktoren aus chinesischer oder japanischer Fertigung. Wir helfen Ihnen gerne, Ihre Testerfahrung mit den Geräten, die sie bei uns gekauft haben, auch auszuwerten.

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