First Light für das NexStar 11 GPS
Tino Chronopoulos - München - 14.8.2001

Am 13.08.2001 haben wir die ersten NexStar 11 GPS Geräte vom General Importeur geliefert bekommen. Da das Wetter mitspielt, was ja selten genug der Fall ist, wollen wir heute, einen Tag später, dieses neue Gerät mal ausprobieren. Der Beobachtungsort ist unser Garten am Ostrand von München.

Transport.jpg (15844 Byte) Der Transport des Gerätes ist einfach. Auf der rechten Seite hat man einen schönen Untergriff und auf der linken Seite ist ein zweiter Griff am Gabelarm angebracht.

Die unterschiedliche Anordnung der beiden Griffe bringt eine recht angenehme Trageposition mit sich - wesentlich besser, als bei zwei symmetrisch angeordneten Griffen an den Gabelarben. Das Gesamtgewicht von gut 29kg (Kohlefasertubus und Gabel) lässt sich somit angenehm bewegen.

Angenehm fällt noch auf, daß der Tubus für den Transport eingeschwenkt werden kann. Dadurch wird das Gerät noch kompakte und leichter zu transportieren.

 

NordAusrichtung.jpg (20724 Byte) Schnell ist das Teleskop aufgebaut. Es wird eingeschaltet und einmalig weren die Grunddaten (Zeit, Ort, Datum) eingegeben. Danach kann man zwischen mehreren Align Möglichkeiten wählen.

Bei der Betrachtung des Teleskopes fällt sehr angenehm auf, daß das Fernrohr nicht nur am rückwärtigen Ende, sondern auch am vorderen Tubusende an der Gabel befestigt ist. Das tut dem Schwingungsverhalten gut. Diese Lösung ist wesentlich besser, als die einfache Befestigung nur am rückwärtigen Ende des Teleskopes. In nur 4 Sekunden schwingt das komplette Fernrohr aus.

Am Beginn der Beobachtungszeit kann man zwischen mehreren Möglichkeiten, den Computer zu eichen, wählen.

 

GPS.jpg (12583 Byte) Die einfachste Möglichkeit ist natürlich der GPS - Einstellungsmodus. Automatisch richtet sich das Teleskop nach Norden aus. Danach geht das Teleskop in den GPS - Suchmodus, der auch ein paar Minuten dauern kann. Sobald dieser Schritt vollbracht ist, fährt das Fernrohr zu einem Stern, der bestätigt wird. Bereits hier ist die Positionierungsgenauigkeit sehr hoch. Danach steht einer erfolgreichen Beobachtung nichts mehr im Wege.

 

Fastar.jpg (13678 Byte) Kurz vor der Beobachtung wird noch, an der Wega, die Kollimation des 11" Schmidt Cassegrains überprüft und ein wenig verbessert. Da die Luft recht ruhig zu sein scheint, wollen wir ja auf höhere Vergrößerungen gehen.

Im Hinterkopf haben wir natürlich auch, die Gleichmäßigkeit der Nachführung zu checken.

Das C-11 GPS ist natürlich, wie man sieht, Fastar - Compartibel.

 

KlemmhebelRA.jpg (10876 Byte) Der Mars ist bereits in der frühen Dämmerung sichtbar. Schnell werden die Klemmhebel der Azimutal- und Höhenachse gelöst und das Fernrohr von Hand zu dem Planeten geschwenkt. Für einen kurzen Blick ist dies völlig ausreichend.

Die Entklemmung der Achsen ist ein wichtiger Fortschritt zum Nexstar 8. Man wird dadurch unabhängig und kann bei Stromausfall zumindest weiter beobachten.

 

Konsole.jpg (16754 Byte) Ein Blick auf die Konsole zeigt die vielfältigen Anschlußmöglichkeiten des NexStar 11 GPS. Auto Guider, serielle Schnittstelle, 12V Ausgang und zwei weitere Ausgänge für diverse Geräte.

Alles ist sehr massiv verarbeitet und trotzdem formschön. Dieses Fernrohr ist halt nicht nur zum Durchschauen gemacht, es ist auch recht ansehnlich.

Doch nun wird es ernst, die Dämmerung ist schon weit fortgeschritten.

Nachdem das GPS funktioniert hat, probieren wir nun die Zwei - Sterne - Eichung (Two Star Alignment) des Computers aus. Als erstes geben wir Altair im Adler vor und fahren zum Stern hin. Zentrieren - Enter drücken - fertig. Der zweite Stern ist Arkturus im Bootes. Die gleiche Prozedur nochmals - nach 90 Sekunden ist die Sache beendet. Nun bin ich gespannt. In der späten Dämmerung werde ich M-11 (den bekannten offenen Sternhaufen am Fuß des Adlers) einstellen.

Aah - welch eine Wohltat - leise - ganz leise - schnurrt das C-11 zum Zielobjekt. Unsere Nachbarn sitzen am Balkon, nur ein paar Meter von uns entfernt, und bekommen nichts von der Positionierung mit. Mit drei Grad pro Sekunde sind wir in kürzester Zeit in der Zielregion - wir sind gespannt.

M-11 steht genau im Zentrum unseres 40mm Erfles. Der Himmelshintergrund ist zwar hell aber trotzdem ist in der Okularmitte eine Ansammlung vieler schwacher Sterne sichtbar. Im Zentrum des offenen Sternhaufens dominiert der markante einzelne hellere Stern. Das Gerät funktioniert - es positioniert vorbildlich, präzise und leise.

Nun steht ein paar schönen Beobachtungen, soweit sie von München aus machbar sind, nichts mehr im Wege. Als erstes grasen wir natürlich die Standardobjekte ab. Epsylon Lyrae, der bekannt 4fach Doppelstern wird astrein getrennt. Bei der Gelegenheit fällt uns auf, daß die sphärische Korrektur der Optik gut gelungen ist. Keine wesentlichen Unterschiede zwischen dem extra- und intrafokalen Bild.

M 57, der Ringnebel ist natürlich der nächste Kandidat. Einfach auf das M (auf der Tastatur) drücken und die Zahl 57 eingeben und mit Enter bestätigen. Schon gibt es einen kurzen Schnurrer und das Fernrohr ist am Ziel - der Weg ist ja nicht weit. Tino fängt an, mir die Daten des Ringnebels zu erzählen. Die Entfernung, die Größe, die Helligkeit... Woher weiß er das bloß? - Klar - er liest die Daten von der Tastatur ab. Eigentlich eine sehr schöne Möglichkeit für Einsteiger, etwas mehr über die Objekte zu erfahren. Ein Blick in das Fernrohr zeigt den, mir schon sehr vertrauten, Rauchring.

Gleich den Astronomik UHC Filter rein und mit dem 10mm Eudiaskopischen Okular rausvergrößert. Bei 280fach steht im Zentrum des Okulars ein majestätischer Ring. An den Rändern ist er eindeutig dunkler als im Rest des Ringes. Tief dunkel ist der Hintergrund. Die Sterne sind nadelfeine kleine Pünktchen.

Natürlich haben wir uns darauf M-13, M56 und ein paar schöne Doppelsterne zum Auflockern gegeben. Doch darauf haben wir die Lust zum Experimentieren bekommen. Was kann man aus München, mit den paar Sternen am Himmel, so alles sehen.

Da gibt es doch den Cirrus Nebel - Fahren wir doch mal zum helleren Teil des Nebels, zu NGC 6992, hin. Mit dem 40mm Erfle alleine war nichts zu machen - viele feine Sterne vor einem hellgrauen Hintergrund. Das war zu erwarten. Doch nun geben wir den 2" UHC rein und siehe da - ein feiner Bogen durchzieht das Okulargesichtsfeld von oben nach unten. Er fällt beim ersten Hinschaun auf. Bei längerer Betrachtung werden feine Strukturen sichtbar. Herrlich!

Es gibt doch im Schwan diesen kleinen Planetarischen Nebel - NGC 7026. Der ist doch recht kompakt und hell - genau das Richtige für eine aufgehellte Münchner Nacht. Keine Minute später sind wir dort. Sofort fällt uns der mittelhelle Stern und dicht daneben der "unscharfe" Stern auf. NGC 7026 lässt grüßen. Wir geben eine stärkere Vergrößerung rein und sehen sofort eine "rechteckige" Struktur. Mit dem UHC wird die Sache noch deutlicher. Tino und ich lassen uns viel Zeit mit dem Beobachten des Objektes. Wir wissen ja, der Weg zum nächsten Objekt ist kurz - nur ein Tastendruck - also haben wir Zeit.

Es gibt im Schwan noch einen zweiten planetarischen Nebel - den NGC 6826. Nicht weit von unserem Ausgangsobjekt entfernt. Das C-11 GPS braucht gar nicht mal zur Höchstgeschwindigkeit auflaufen - schon ist es dort. Dieser planetarische Nebel schaut aus, wie ein Stern, der von einem Halo umgeben ist. Im Gegensatz zu NGC 7026, der bei stärkerer Vergrößerung doch mehr Details hergezeigt hat, sieht dieser Nebel bei schwächerer Vergrößerung am schönsten aus.

Nachdem wir unsere (genauer gesagt meine) Lust auf planetarische Nebel befriedigt haben, lassen wir uns vom NexStar ein wenig am Himmel spazierenführen. Wir nehmen ein Tourenprogramm in Anspruch. In der nächsten Stunde legen wir eine richtige Ölspur am Himmel zurück - ein Augenschmaus nach dem anderen - es sei denn, das Haus, der Strauch oder der Laternenmast sind dazwischen.

Als Abschluss kann ich nochmals meinen Willen durchsetzen - es muß noch ein planetarischer her. Da gibt es doch noch im Drachen etwas - Meine Beobachtungsmappe aufgeschlagen und schon werden wir fündig. NGC 6543, ein sehr kompakter Ringnebel wird unser Abschluss. Auch noch nach fast drei Stunden Beobachten ist die Positionierung so gut, wie am Anfang. Der Nebel ist drinnen. Ich hoffe, einen kleinen Ring zu sehen und meine, im Zentrum eine Verdunkelung zu sehen. Da die Luft aber schlechter geworden ist und aus München so ein unschöner Beamer rüberleuchtet, bin ich mir da aber nicht so sicher.

Tino gibt sich nochmals kurz den M-13 (jeder braucht was schönes zum Träumen) - auch ich bewundere dieses Gefunkel von Sternen mit dem 10mm Okular. Tino hat recht, es ist wirklich ein schöner Abschluss. So richtig was fürs Herz.

Ich bin sicher, daß wir mit dem NexStar 11 GPS noch des öfteren Touren machen. Die nächste steht schon fest. Wir fahren, mit Bekannten, die für das leibliche Wohl sorgen, auf den Irschenberg und werden dort, unter besseren Bedingungen, eine kleine Beobachtungssession machen. Dort werden wir mal den Galaxien auf den Leib rücken. Das Celestron NexStar 11 verspricht da, ein guter Begleiter zu werden.

Wolfi Ransburg

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