Nürnberg,
den 13. Juli 2001
First light, first
kiss
Erste Begegnung mit dem 10" Dobson
von GSO
Die Entscheidung für den Kauf ist ziemlich spontan gefallen. Aber erst, nachdem ich den
Innenraum meines Kleinwagens gründlich ausgemessen habe. Die Probe aufs Exempel erfolgt
vor Ort beim Händler. Der Tubus passt auf den Zentimeter genau auf die Rücksitzbank und
lässt sich gut mit den Sicherheitsgurten befestigen. An den Türseiten wird noch mit
Luftblasenfolie gepolstert, damit es keine Kratzer gibt.
Vorher jedoch wird die Optik vom Händler und von fachkundiger Hand überprüft und neu
justiert. Offensichtlich scheint es der Hersteller damit nicht so genau zu nehmen. Die
Gelegenheit ist günstig, um dabei gleich eine Einweisung in die Justierung einer Newton
Optik zu erhalten. Und, weil man sich naturgemäß nicht alles merken kann, bekommt man
das Ganze auch schriftlich, vom Händler selbstgestrickt und leicht verständlich. Dazu
kommt noch ein Stückchen schwarzer Samtfolie, mehr dazu später.
Jetzt fehlt nur noch die Rockerbox, die fein säuberlich in einem flachen Karton verpackt
ist und ich kann als stolzer Neu-Dobson Besitzer die Heimreise antreten, in der Hoffnung,
am selben Abend noch ein First Light zu bekommen.
Die Rockerbox
Ich schleppe also erst mal den Karton in die Wohnung, um die Rockerbox zusammenzubauen.
Nach dem Öffnen entnehme ich die sorgfältig verpackten Einzelteile und suche nach der
Bauanleitung. Sie besteht aus einem DIN A4 Blatt, auf dem mittels der Explosionszeichnung
der Zusammenbau schematisch dargestellt ist. Leider fehlen jedigliche Details, wie Art und
Anzahl der Schrauben, was sich als sehr tückisch erweist. Mit etwas gesundem
Menschenverstand geht es aber doch. So ist nach kurzem Blick klar, dass von den beiden
Drehtellern, der mit den 4 Bohrlöchern, oben hingehört. In den unteren Drehteller
schraubt man zuerst die drei Gummifüße mit den beigelegten und selbstbohrenden
Gummischrauben. Da die Vorbohrung fehlt, sind erstmal die Positionen auszumessen und dann
die Schrauben mit etwas Kraftaufwand reinzudrehen.
Auf dem oberen Drehteller wird erst die eigentliche Halterung befestigt. Hierzu werden die
Holzimbusschrauben von unten durchgesteckt und mit beigefügtem Schlüssel in die
vorgebohrten Löcher der unteren Kanten der beiden Seitenteile eingeschraubt. Um sich
unnötige Schraubarbeit zu ersparen, sollte man gleich darauf achten, dass sich die, auf
der Oberfläche der Seitenteile eingepasste Gewindeöffnung (zur späteren Befestigung der
Federn), außen befindet.
Wichtig ist es, die Schrauben zur Befestigung der Seitenteile vollständig einzudrehen, da
die Schraubenköpfe sonst an den Teflonstückchen der Bodenplatte hängen bleiben. Ob die
vier Bohrungen der oberen Platte symmetrisch angebracht sind oder ich bei der Ausrichtung
der Seitenteile auf diesen nur Glück gehabt habe, bleibt mir verborgen. Zwischen den
Seitenteilen ist dann nur noch das, nach innen gerundete, Zwischenstück einzusetzen und
ebenfalls mit vier Imbusschrauben durch die Seitenteile zu befestigen. Der mitgelieferte
Griff wird mit zwei weiteren langen Schrauben, nebst Beilagscheiben und Muttern, an das
Mittelstück geschraubt. Der obere Drehteller kann nun, samt Halterung, auf die
Bodenplatte gesetzt werden und mit einer weiteren langen Schraube mit diesem verbunden
werden. So montiert, sieht die Box schon ganz gut aus. Die Drehprobe zeigt, dass auch
alles passt.
Bei dem verbleibenden Rest (zwei Federn, zwei Schlaufen, sechs Schrauben und vier
Kunststoffhülsen) geht das Ratespiel los, was gehört wohin? Ein blick auf die Abbildung
im Internet hilft weiter. Die zwei Kreuzschlitzschrauben gehören in die Seitenteile der
box, dazwischen je eine Plastikhülse mit dem dünnen Ende zum Schraubenkopf hin. Die
beiden anderen Schrauben mit dem Rändelrand müssen folglich ebenfalls mit der
Kunststoffhülse versehen, in die Halterung der Optik gehören. Die beiden Schlaufen
werden jeweils mit einem Ende an einer Feder befestigt, um die Feder später besser
spannen zu können - Fertig.
(Zwei Schrauben bleiben übrig)
Die Endmontage
Befriedigt über mein Werk, schaue ich nach dem Wetter. Aber der Wettergott scheint es an
diesem Abend nicht mehr gut zu meinen, so dass ich aufgebe und den Tubus ebenfalls aus dem
Auto hole. Ich setze also den Tubus auf die Box und probiere die Federn aus. Wie vermutet,
passen die Rändelschrauben samt den Kunststoffhülsen in die Lager des Tubus. Vorher muss
man allerdings die Federn einhängen, die zunächst lose herabbaumeln. nach dem Anziehen
der Schrauben, lassen sich die Federn mittels der Schlafen spannen und in die Schrauben
der Box einhängen. Jetzt noch den 8x50 Sucher in die Sucherhalterung eingepasst,
festziehen und ein Okular einsetzen. Fertig ist die Gesamtmontage. Ich spiele ein wenig
mit der Gängigkeit des Tubus und stelle fest, dass er sehr leicht zu bewegen ist. Zu
leicht eigentlich, da er sich in den Extrempositionen (fast senkrecht bzw. waagrecht)
weiterbewegt, obwohl ich das gar nicht will. Also klebe ich etwas von der schwarzen
Samtfolie auf die Teflonstückchen der Gleitlager, um die Reibung zu erhöhen. Das
funktioniert zunächst, allerdings verabschiedet sich die Folie nach ein paar
Drehbewegungen von alleine wieder, da sie den Kräften nicht widersteht. Also ist das auch
keine große Hilfe, aber das soll die Praxis entscheiden.
First Light
Ich schaue erneut nach dem Wetter und stelle größere Wolkenlücken fest. Ob ein kurzer
Blick vom Balkon möglich wäre?
Ich enttrohne den Tubus kurzerhand und schaffe beide Teile hinaus, um sie dort erneut
zusammenzusetzen, was innerhalb von zwei Minuten erledigt ist. Draußen nehme ich den
Tubusdeckel ab und meine, die ersten Lichtstrahlen, die auf meinen Spiegel fallen, fühlen
zu können. Ich riskiere einen Blick durch das 40mm Okular (nicht mitgeliefert) und sehe
die ersten Sterne, mit deren Hilfe ich fokussieren kann. Nunmehr will ich den Sucher
ausrichten und suche mir als Referenzobjekt den Mars und nehme ihn in das Fadenkreuz des
Suchers. Der Blick durch das Okular zeigt mir jedoch, trotz der schwachen Vergrößerung,
nicht das gewünschte Ergebnis. Also peile ich Mars möglichst genau über den Tubus
hinweg an und blicke abermals durch den Sucher - kein Erfolg.
Ich untersuche die Ausrichtung des Suchers und stelle fest, dass der Fuß der
Sucherhalterung einiges Spiel aufweist und die einseitig angebrachte Fixierschraube die
gesamte Halterung verdreht und aus der Längsachse drückt. Erst nach zaghaftem Lockern
der Fixierschraube bewegt sich der Sucher zurück in die Gerade. Nach einigen Versuchen
habe ich das richtige Spiel zwischen festem Halt und gerader Blickrichtung erreicht und
kann den Sucher einjustieren. Jetzt habe ich Zeit für den Himmel und sehe, dass Herkules
im Zenit über mir steht. M-13 ist das Objekt der Begierde. Ich kämpfe nur kurz mit den
eigenwilligen - mir unbekannten - Bewegungen eines Dobsons und habe das Ziel auch gleich
im Sucher.
Ich bin gespannt auf den Blick durch das Okular und werde auch nicht enttäuscht. M-13
steht greifbar vor mir im Tubus und ist ohne Probleme bis in den Kern aufgelöst.
Unfassbar schön, dieser unverfälschte Anblick. Ich kann mich gar nicht satt sehen, an
diesen Details, die mir bisher verborgen geblieben sind. Das weitere Vergrößern bringt
M-13 immer näher und er wird immer plastischer.
Mein zweites Ziel ist der Ringnebel in der Leier. Bisher eigentlich nur leicht aufzufinden
aber wenig spektakulär, diese verwaschene Fleckchen. Der Dobson belehrte mich sofort
eines Besseren, da ich die Ringform nicht nur erahnen, sondern klar erkennen kann. Ein
weiterer Versuch, M-101 zu erwischen, ist angesichts des hellen Stadthimmels in Nürnberg
leider erfolglos. Aber das macht nichts, da mir der Dobson bereits viele schöne Stunden
in Aussicht stellt. Leider zieht sich die Wolkendecke schnell wieder zu, aber das First
Light ist geglückt. Das ist Astronomie in ihrer schönsten Form!
Nachklang
Im Nachhinein bleibt zu bemerken, dass der Tubus insgesamt zu leichtgängig ist und die
Samtfolie und die Feder allein keine Abhilfe schaffen. Das ist ärgerlich, da sich der
Tubus beim Okularwechsel von alleine verstellt. Allerdings helfen hier Magnete, die sich
beliebig auf dem Metalltubus anbringen und verschieben lassen. Hierdurch kann schnell ein
vernünftiges Gleichgewicht hergestellt werden. Je nach Körpergröße ist die
Einblickhöhe beim Okular zu niedrig, was bei längerem Beobachten Kreuzschmerzen
beschert. Ich helfe mir dadurch, dass ich eine große Kunststoffkiste unterstelle und so
gute 30cm an Höhe gewinne.
Harald Ryfisch aus Nürnberg
Anmerkung von Wolfi Ransburg
Herzlichen Dank für den sehr guten Erfahrungsbericht. Er hat mir, auch bei der Erstellung
einer kurzen Aufbauanleitung, sehr geholfen. Die Magneten für den Gewichtsausgleich haben
wir im Sortiment. Sie sind auch in den Geschäften für Aquariumbedarf erhältlich.
Inzwischen verwenden wir eine stärkere Samtfolie, die sich nicht so schnell
verabschiedet. Damit wird auch in Höhe immer ein gutes Gleichgewicht, in Kombination mit
den Magneten und der Feder, hergestellt. |