EQ-6 Test
von Rolf Nicolay
| EQ6 Erfahrungsbericht (Edition vom 20.02.2002) Vorweg Seit Freitag, 16.11.2001 bin ich Besitzer einer EQ6. Mit dem nachfolgenden Bericht, den ich fortlaufend ergänzen möchte, will ich meine Eindrücke und Erkenntnisse einem breiteren Interessentenkreis zugänglich machen. (Vorausgesetzt, Wolfgang Ransburg (bei dem ich die Montierung erwarb, stellt diesen freundlicherweise auf seine Homepage) 1. Ausrüstung und bisherig benutzte Montierung Ich besitze einen 6 Zoll (150mm) Synta Refraktor (ANTARES), den ich bislang mit einer VIXEN Super Polaris Montierung auf einem BAADER Hartholzstativ betrieb. Diese Kombination war visuell händelbar, jedoch sehr stark an der Grenze. Erfahrungen bei Wind liegen nicht vor. Meine nachfolgenden qualitativen Äussserungen zur Stabiltät der EQ6 (wie auch alle anderen gemachten Angaben) sind also immer im Vergleich zu der bisherig benutzten Kombination zu sehen. Weiterhin besitze ich noch einen BRESSER Uranus, der auf der EQ3 montiert war, die ich jetzt jedoch abgegeben habe. Der URANUS wandert auf die VIXEN Montierung. 2. EQ6, der erste Augenschein, Verpackung und Zustand Die Montierung wird in zwei Kartons versendet, der eine enthält das Stativ nebst Gegengewicht und Stativspreizplatte, der zweite den Montierungskopf nebst eingefahrener Gegengewichtsstange sowie Batteriepack und Steuerungskästchen. Verpackt ist alles solide, das Produkt eingeschlagen in Luftpolsterfolie, eingepackt in etlichen Polsterungselementen, dieses in einem inneren Karton, der in einem äußeren Karton steckt. Innerer und äußerer Karton sind (beim Montierungskopf) noch zusätzlich durch Styroporplatten gedämpft. An meiner Montierung war keinerlei Beschädigung zu erkennen (es sei allerdings bemerkt, ich habe die Montierung persönlich beim Teleskop-Service abgeholt). Die Montierung ist schön grauschwarz (lackiert oder eloxiert, konnte ich nicht entscheiden), jedenfalls macht der (Lack, respektive die Färbung) einen soliden Eindruck. Die Stativbeine sind aus Edelstahl, alle anderen Teil (Stativkopf, Spreizplatte Muffen, Knebel) von der gleichen Farbgebung wie der Montierungskopf. Wer nicht wie ich, die Montierung vorher schon mal sehen konnte, wird von ihrer Grösse du Massivität beeindruckt sein. 3. Erste Tests, Eindrücke, Ausprobieren Wie´s immer so ist bei neuem Equipment, das Wetter wird schlecht. Gab Gelegenheit, sich über´s Wochende in Ruhe mit der Montierung und deren Eigenschaften zu beschäftigen. a. Erste Montage Der Aufbau der Montierung ging schnell vonstatten. Stativbeine ausgezogen, den Montierungsplatte gewuchtet muss man schon sagen, verschraubt. Die Gegengewichtsstange, die im Montierungskopf versenkbar ist, ausgefahren, die Gegengewichte (zwei, Standardlieferung ist ein Gegengewicht) montiert. Die Stativbeine mit der Spreizplatte verspannt. Den Refraktor mittels der Prismenschiene am Stativkopf mittels zweier Knebelschrauben in der Prismenführung befestigt und das Ganze dann in RA und Dekl. Austariert. Das dauerte ungefähr 10 min bis eine Viertelstunde. In der praktischen Anwendung ist das dann sicherlich in fünf Minuten zu schaffen. Allerdings ist das Aufsetzen des Achsenkreuzes auf das Stativ schon fast eine sportliche Übung zu nennen. Das Achsenkreuz wiegt doch (so wird gesagt) 18 Kilogramm. Der erste Test war natürlich der Griff zum Okularauszug und daran wackeln. Die Steifigkeit des gesamten Aufbaues war überraschend, kein Vergleich zu meiner bisherigen Montierung. Quantifizieren kann ich das nicht, aber es wirkte doch sehr solide das Ganze. b. Stativhöhe Verwöhnt war ich bislang, was die Höhe angeht, durch das BAADER Hartholzstativ. Wer meinen Refraktor kennt, kennt ebenso dessen Gewichtsverteilung, was einen langen okularseitigen Hebel bedingt. Dadurch kommt das Okular bei zenitnahen Stellungen seit weit zum Boden herunter. Das Stativ der EQ6, wenngleich bombig steif, ist selbst im voll ausgefahrenen Zustand, deutlich niedriger als das BAADER Hartholzstativ. Das Rohr exakt in den Zenit gerichtet, ist das Okular so niedrig über dem Boden, das es mir, auf einem etwa 30 cm hohen Hocker sitzen, nicht mehr möglich war, mit dem Auge an das Okular zu kommen. Abhilfe für dieses Problem könnten folgende Maßnahmen sein: 1. Stahlsäule zwischen Stativkopf und Achsenkreuz (20cm wären schön) gibt es aber gegenwärtig nicht 2. Achsenkreuz auf BAADER Stativ montieren jedoch Adapter notwendig. 3. Zur zenitalen Beobachtung auf den Boden legen (nicht ganz ernst gemeint) Bei den wenigen Beobachtungssessions bisher habe ich immer das BAADER Hartholz benutzt, noch nie das EQ6 Stativ selbst. Ich muss wirklich mal Vergleichstest in punkto Stabilität machen.. a. Mechanischer Eindruck Neben der festgestellten Steifigkeit wirkt der gesamte mechanische Aufbau durchdacht und solide. Die Feststellklemmen der Achsen lassen sich gut mit stetig wachsendem Widerstand anziehen. Es gibt keinen "Knackpunkt" bei dem sich der Widerstand sprunghaft ändert. Spiel der Achsen war nicht festzustellen, ein Bewegen am Okularauszug zeigte, daß die Justage der Spindeln in der Schneckenrädern ordentlich ausgeführt wurde. Die Spindeln sind angeblich justierbar, ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, wie b. Beweglichkeit der Achsen Die Achsen sind sehr leichtgängig, was wohl auf die Rollenlager zurückzuführen ist. Trotzdem bewegen sie sich "satt", ich hoffe, das Attribut ist verständlich. Hier fühle ich mich an die VIXEN Montierung erinnert. Die Beweglichkeit und "Sattheit" der Achsbewegung ist wesentlich besser als bspw. bei der EQ3. Bei nicht zu stark angezogenen Klemmen läßt sich dennoch der Refraktor noch feinfühlig verstellen. (bei bespielsweise Objektwechsel ist das von Vorteil, da ja die Montierung keine mechanischen Feineinstellungen besitzt) Wie Kälte diese Beweglichkeit beeinflussen wird, bleibt jedoch noch abzuwarten. Diese Erfahrung wir d dann später in dem Kapitel in der Praxis berichtet werden. c. Polsucher Der Polsucher hat eine gute Durchsicht und ein helles Bild. Die VIXEN Polsucherbeleuchtung passt in das zentrale Loch des Montierungskörpers (nach ein wenig Feilarbeit muss allerdings eingestanden werden). Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Polsucherorientierung (Einstellen der Richtigen Drehlage zur Einnordung). Im Gegensatz zu den VIXEN Montierungen gibt es nur die Scheibe mit der Datumsskala. Für die Uhrzeit muss der RA Teilkreis hergenommen werden. Eine Betriebsanleitung gibt es dafür nicht, respektive die von Ransburg erstellte ist noch nicht total korrekt (Stand 19.11.2001.) Meine Überlegungen, wie man die Polsucherausrichtung bewerkstelligen kann nachfolgend, allerdings ist das noch nicht geprüft und verifiziert. Prinzipiell kann man folgendes machen. Man ermittelt (einmalig) beispielsweise das Datum, an dem der Polarstern (für die Länge des Beobachtungsortes) um beispielsweise 16 Uhr MEZ kulminiert. (Entweder mit GUIDE oder ähnlichem Programm, oder man rechnet halt mal mit Sternzeit, Studenwinkel und RA der Polarsternes). Man stellt die Datumsscheibe mit 0 Grad Länge (ist am einfachsten) auf die Markierung am Polsucher Durch Drehen der RA Achse bringt man in der Polsucheransicht den kleinen Kreis senkrecht unter das Kreuz (entweder halt mittels Schätzung. oder an einer Häuserkante oder ähnliches). Festklemmen Man sucht auf der Datumseinstellscheibe das Datum, das man für die Kulmination des Polarsternes um 16 Uhr ermittelt hat Man macht an der Montierung, gegenüber diesem Datum eine Markierung. Das Einorden geht dann wie folgt (wir bleiben bei den 16 Uhr) Ich stelle die Datumskala auf 0 Grad Länge ein. Durch Drehen der RA Achse bringe ich das aktuelle Datum mit meiner selbst angebrachten Markierung in Übereinstimmung Ich stelle den Teilkreis auf 16 Uhr Teilkreis festklemmen RA Achse (gelöst) drehen (und zwar in Richtung der Sternbewegung) bis auf dem Teilkreis die aktuelle Uhrzeit eingestellt ist. Man achte dabei darauf, auf dem Teilkreis die Skala zu nehmen, die mit Vorwärtsdrehen der RA Achse zunehmend fortschreitet. Dann eben den Polarstern in den kleinen Kreis bringen. So habe ich es gemacht und es funktioniert. Allerdings ist das Peilen mit dem Auge um eine Ecke nicht gerade die eleganteste Methode. Für visuell reicht es jedoch allemal. Für astrofotografische Zwecke habe ich so meine Zweifel. Als Manko muss erwähnt werden, daß die Markierung am Polsucher, die zur Orientierung der Datumscheibe dient, nur eine kleine Nut ist und praktisch (selbst bei Tageslicht) nicht sichtbar. Ich finde die nur mit dem Fingernagel. Hier muss ich mir noch was einfallen lassen, ansonsten kann man in der Dunkelheit damit nicht arbeiten. d. Teilkreise Die Teilkreise sind aus Aluminium mit geätzten Teilstrichen, in der Qualität durchaus mit denen der Super Polaris vergleichbar, ihr Durchmesser ist allerdings größer. Die Teilkreise sind mit jeweils zwei kleinen Rändelschrauben festklemmbar. Im nichtgeklemmten Zustand "klappern" die Kreise allerdings etwas, was jedoch bei Klemmung verschwindet. Bei eingeschalteter Nachführung bleibt der geklemmte RA Teilkreis stehen, das heißt es wird bei eingeschalteter Nachführung immer der gleiche RA Wert angezeigt. Bei gelöster RA Achsenklemmung und Händischer Bewegung des Tubus dreht er sich jedoch mit. Das hat den Vorteil, daß man direkt von einem Objekt auf das andere umsteigen kann, indem man den RA Wert des neuen Objektes direkt am Teilkreis einstellt. Das Ansteuern eines Referenzobjektes und Einstellen des Telkreises auf den RA Wert des Referenzobjektes, wie ich dieses bei der VIXEN Super Polaris immer machen musste, entfällt in Zukunft. Hier bekommt das Kürzel GOTO mit Garantiert Optimale Teilkreis Orientierung eine ganz neue Bedeutung. Ein Ärgernis ist der fehlende Nonius an den Teilkreisen. Zumindestens am RA Kreis hätte man den vorsehen können. Der Teilkreise ist in jeweils 10 RA Minuten unterteilt, was maximal (auf dem Himmelsäquator) einer Winkeldifferenz von 1,5 Grad entspricht. Auf ein viertel der Teilung sollte man schätzungsweise einstellen können, also auf etwa 0,4 Grad genau. Es wird auch ohne Nonius gehen, aber mit Nonius könnte man zumindesten auf eine RA Minute, wenn nicht sogar auf eine halbe genau einstellen. Hier lohnt sich sicherlich ein "gebastelter Nonius" e. Steuerung Noch keine großen Erfahrungen vorliegend. Die Steuerung funktioniert, die Ansprechzeiten sind (nur mit Sucher mal kurz probiert) recht kurz, allerdings muss man hier die praktische Beobachtung abwarten um zu fundierteren Aussagen zu kommen. Schön ist, da? die Stromversorgung nicht an das Steuerkästchen angesteckt wird, sondern direkt an den Montierungskörper. So hat man am Steuerkästchen nur das Kabel für die Steuerimpulse. f. Stromversorgung Die Stromversorgung geht nur über 8 1,5Volt Monozellen. Ein Satz macht mal locker so 20 bis 25 DM. Das ist dann ja wohl nur etwas für den Notfall. Ich habe mir in den Batteriepack ein Zweitkabel eingelötet, das ich an einen 12 Volt Eingang meiner Taukappenheizung anschließen kann. Das Geld für Batterien spare ich mir lieber für weitere Anschaffungen. |
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