Testbericht - zum Sirius Optics PC1 Filter (10.01.2002)Frank Schäfer, Sternwarte Radeberg
Nachdem ich mir vor einiger Zeit bereits den MV1 Filter (Minus Violett Filter) der Firma Sirius Optics gegönnt hatte, fand nun auch noch der neue PC1 Filter den Weg in meinen Okularkoffer. PC steht hier für "Planetary Contrast Eyepiece Filter". Auch dieser Filter ist ein Interferenzfilter, welcher aber drei große Maxima bei knapp 500, 580 und oberhalb 700 nm aufweist. Zwischen den Maxima wird ziemlich viel Licht herausgefiltert. Laut Hersteller soll der Filter eine deutliche Kontrastverbesserung u.a. an Jupiter bringen. Zum Test des Filters habe ich einen kleinen Takahashi Apochromat FC 60/500 und meinen William Optics Megrez 80/480 (einen sehr guten Achromat) sowie ein Takahashi LE 5 mm und ein Soligor HP 3,8 mm Okular genutzt. Ein erster Versuch mit dem Apo an Saturn brachte keine Verbesserung - nur ein dunkleres Bild. Also weiter zu Jupiter geschwenkt und jetzt wurde es interessant. Selbst in dem kleinen Apo war mit dem PC1 Filter eine deutliche Kontraststeigerung zu beobachten - und zwar nicht erst beim fünften Blick ins Okular sondern auf den ersten Blick sichtbar! Das Bild wird zwar deutlich dunkler, aber mit dem Filter waren die verschiedenen Bänder und die Polregionen deutich besser zu erkennen. Zum Vergleich kramte ich noch den MV1 Filter und den Baader Skyglow Filter aus der Kiste. Die wesentlichen Ergebnisse gibt es jetzt in Stichpunkten. Takahashi FC 60/500 mit PC1 - 100 x und 132 x
WO Megrez 80/480 mit PC1 - 96 x und 126 x
WO Megrez 80/480 mit MV1 - 96 x und 126 x
WO Megrez 80/480 mit Baader Skyglow - 96 x und 126 x
Unterm Strich würde ich folgendes Fazit ziehen. Der neue PC1 Filter ist ein sehr schöner Kontrastfilter für Jupiterbeobachtungen (bei größeren Öffnungen dürfte er noch mehr Punkte bringen). Ob er am Saturn ähnliche Resultate zeigt, kann ich mit den kleinen Teleskopen nicht einschätzen. Die Kontrastverbesserung an Jupiter wird beim Apo am deutlichsten sichtbar. Am Achromat bringt der Filter immer noch einen sichtbaren Kontrastgewinn und der Farbfehler wird bei meinem Megrez wirksamer unterdrückt als mit dem MV1 Filter. Im Vergleich zum MV1 fällt weiterhin auf, daß kaum noch Geisterbilder auftreten (welche beim MV1 durch Reflexionen an der Filteroberfläche entstehen und teilweise recht störend sind). Blickweise zeigt sich beim PC1 eine Art Halo um Jupiter, was die Detailwahrnehmung aber nicht beeinträchtigt. Hier hat der Skyglow Filter aufgrund seiner Konstruktion und der zusätzlichen Vergütung natürlich keinerlei Probleme. Das oft zu lesende Statement: "der Skyglow Filter würde den Farbfehler einfacher Achromate deutlich reduzieren" ist gelinde gesagt reichlich übertrieben. Wer die drei Filter mal vergleichen kann, dürfte das genauso sehen. Die Aussage im Testbericht auf der Sirius Optics Homepage: "...I also believe that unlike the MV1, these filters were not created for Chinese achromat refractors, as blue haloing is evident ..." kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen (eher das Gegenteil trifft zu, siehe oben). Die Wahl zwischen PC1 oder MV1 ist nur für Besitzer von Achromaten oder farbfehlerbehafteten ED-(Apo)'s interessant. An einem richtigen Apo macht der MV1 Filter wenig Sinn. Der MV1 liefert ein natürlicheres und helleres Bild (reduziert aber das sekundäre Spektrum nicht so stark), der PC1 bringt mehr Kontrast (das Bild ist dafür etwas grünlich). Spielt der Preis eine wesentliche Rolle, dann ist wohl der Skyglowfilter die einzige Lösung. Allerdings reicht er in seiner kontraststeigernden Wirkung nicht annähernd an den PC1 heran. Ob die MV1 oder PC1 Filter ihren Preis wert sind (127 Euro in der 1,25" Version!), kann ich nur für mich persönlich entscheiden. Meine Antwort lautet: ja! Noch eine Bemerkung am Rande: die LV Okulare (egal ob Vixen, Orion oder Soligor draufsteht) sind zwar relativ preiswert aber sie sind auch echte Gurken. Für das Minisehfeld von 45 Grad ist die Randkorrektur unakzeptabel schlecht. In der Bildmitte (also für Planeten) kann man mit den Dingern leben, Mondbeobachtung oder Planetenbeobachtung auf einer azimutalen Montierung läßt aber keine Freude aufkommen. Auch scheinen diese Okulare wirklich die Farbkorrektur eines Apochromaten zu verschlechtern. Besonders fiel mir das am Takahashi Apo im direkten Vergleich mit den Takahashi LE's auf. Die LE's haben ein deutlich größeres Sehfeld und weitem die bessere Rand- und Farbkorrektur. |