Test des 20x80 Triplet Großfernglases von TS
von Herrn Michael Meier ....  Auszug eines größeren Vergleichstest - veröffentlicht in Astronomie.de - Ende November 2004

Beim 20x80 Grossfernglas aus der TS-Reihe handelt es sich um eine Hausmarke des Münchener Unternehmens Teleskop Service Ransburg. TS bietet dieses Glas für rund 250 € an - allerdings gibt es immer mal wieder Sonderpreis-Aktionen während derer man das Instrument bei Wolfgang Ransburg eventuell auch günstiger ergattern kann. Ein Besuch der Webseite von Teleskop-Service (www.teleskop-service.de) lohnt also immer.

Die Besonderheit am TS 20x80 ist die Objektivkonstruktion. Es handelt sich um ein 3-linsiges Design, einen sogenannten Triplet-Achromaten.

Zwar gewinnt man dadurch nichtgleich die optische Leistung eine apochromatischen Objektivs, die dritte Linse sorgt aber in erster Linie für ein ebeneres Bildfeld. Des weiteren soll sie die Farbfehler verringern und die Randschärfe steigern. Das Glas verfügt eine Breitband Multivergütung, die je nach Lichteinfall leicht bräunlich.rosa bis blaugrün schimmert. Ach die Okulare weisen eine entsprechende Vergütung auf.

Die mechanische Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Auch hier sorgt ein Mittelsteg für die Stabilisierung beider Fernglashälften und den Stativanschluss, wobei dieser Steg beim TS Glas nicht ganz so massiv ausfällt wie beim Vixen-Produkt. Dennoch : die gesamte mechanische und optische Verarbeitung hinterlässt ,nicht nur auf den ersten Blick, einen hervorragenden Eindruck.

Eine Geschmackssache ist sicher die Gummierung des Fernglaskörpers. Einerseits bietet sie einen Schutz gegen Spritzwasser und vermittelt bei kühleren Temperaturen ein angenehmes Handgefühl - andererseits werden Menschen, die unter stärkerem Handschweiß leiden mit dieser Gummierung vielleicht nicht so glücklich, da sich dann schnell feuchte Flecken auf der Gummi-Ummantelung bilden.
Die Austrittspupille beträgt beim TS Glas ebenso wie beim Vixen 4 mm. Auch hier sind die Austrittspupillen exakt rund und mittig und zeigen keinerlei Abschattungen oder Verzeichnungen. Die Justierung beider Fernglashälften ist auch beim TS 20x80 sehr gut gelungen und die Prismen sind ausreichend groß dimensioniert.

Im Gegensatz zum Vixen-Grossfernglas ist das TS-Produkt auch für Beobachter mit Brille geeignet. Der Augenabstand beträgt 17 mm, allerdings fallen auch bei diesem Glas die Augen-Gummimuscheln sehr sparsam aus. Mit 3,2° fällt das Sehfeld geringfügig kleiner aus, als beim Vixen mit 3,5°.

Die Tagbeobachtung zeigt beim Anvisieren des schon erwähnten 400m entfernten Antennen-Mastes einen ganz leichten, blauen Farbsaum. Dieser fällt allerdings wirklich so gering aus, dass er das Seherlebnis nicht negativ beeinträchtigt. Wirkung zeigt die dritte Objektivlinse als Bildfeldebner - beim vorliegenden Testglas konnte in der Tat zumindest rein visuell keine Bildfeldwölbung oder sonstige Verzeichnungen festgestellt werden. Beim "Dachziegel-Test" zeigt sich eine gute Schärfeleistung des TS-Glases. Für Tagbeobachtungen ist dieses Grossfernglas recht gut geeignet.

Dennoch machen nächtliche Streifzüge am Sternenhimmel mit dem TS Grossfernglas Spass - die Sichelgestalt der Venus ist sehr schön sichtbar und nur von einem leichten Blausaum umgeben. Saturn erscheint unter den Bedingungen des Vorstadthimmels als deutlich ovale Scheibe, wenngleich die Ringstruktur nur erahnt werden kann. M13 liefert ein imposantes Bild im TS 20x80. Auch die Beobachtung des Mondes ist ein Genuss und auch hier zeigt sich nur ein minimaler, kaum wahrnehmbarer Farbsaum.

Fazit:
Das TS 20x80 macht einfach nur Spass. Für einen Preis von rund 249 € erhält man ein Gross-Fernglas von einer optischen und mechanischen Qualität, wie man sie in dieser Preisklasse kaum erwartet hätte. Gegen den fast 3x so teuren Konkurrenten aus dem Hause Vixen kann das TS-Produkt gut mithalten. Zwar wird die optische Qualität des Vixen-Glases hinsichtlich Randschärfe und Brillianz nicht ganz erreicht, befindet sich aber immer noch auf einem sehr guten Niveau, dass sich deutlich von der Qualität anderer Mitbewerber in dieser Preisklasse abhebt.

Ebenso gibt es an der Mechanik nichts zu mäkeln. Die Zentralfokussierung ist zwar leichtgängig, aber doch straff genug, damit sich die Schärfe nicht selbst verstellt. Zudem hat das TS-Glas den grossen Vorteil, dass auch Brillenträger mit ihm gut klar kommen dürften. Das gesamte Gehäuse ist gut verarbeitet und die Gummierung schützt das Glas vor Spritzwasser.

Einzig die Abdeckungen für die Frontlinsen hätten einen etwas strafferen Sitz nötig. Sie sitzen so locker, dass sie von alleine abfallen, wenn man das Glas nach unten hält. Hier wäre eine Verbindung mit dem Fernglaskörper ganz gut gewesen, so wie TS es auch bei dem kleineren 10x50 WP gelöst hat.

Der mitgelieferte Transportkoffer ist stabil und mit einem verstellbaren Tragegurt versehen. Bei Anlieferung befindet sich das Glas in einer Styroporkiste, aus der man das Glas mühsam herausfummeln muss. Da man mit einem solchen Fernglas ohnehin sorgfältigst umgeht, kann man diese Styroporeinlage bei späteren Einsätzen auch weglassen, denn es ist doch z.T. etwas fummelig und zeitraubend das Glas jedes mal erst aus diesem Styropormantel heraus zu "operieren.

Dies sind aber alles nur "Kleinigkeiten" die den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck nicht stören sollten. Für den Preis ist dieses Glas ein echter Tipp und dürfte jedem Sternfreund lange Freude bereiten.


Direktlink zum TS Großfernglas 20x80 Triplet