Astrofotografie:

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Astrofotografie mit einfachen Mitteln gelingt nur mit viel Wissen und Erfahrung, die wir in diesem und den folgenden Beiträgen unseren Lesern in die Hand geben möchten. Natürlich wird dazu auch sinnvolles Zubehör benötigt, hier kann man durch geschickte Auswahl die Kirche durchaus im Dorf lassen. 
 

Astrofotografie

Astropraxis


Den erlebten Moment festhalten um ihn jederzeit auf dem Bild sozusagen ´wiedererleben´ zu können - das macht den Reiz der Fotografie ganz allgemein aus. Vor hundert Jahren hantierte man noch mit klobigen Kästen, schwarzem Tuch und Glasplatte mit Filmemulsion. Nach einem chemischen Bad konnte man dann - naja, sagen wir mal erkennen, was da fotografiert worden ist. Die gleiche Technik wurde bis in die 90-er Jahre immer weiter verfeinert und schließlich durch ein völlig anderes, digitales Funktionsprinzip abgelöst.

In ganz besonderem Maße gilt dieses ´Konservieren´ des Erlebten am Okular für die Astrofotografie - die wohl extremste Form der Fotografie überhaupt, sind damit doch Bilder möglich, wie sie nicht einmal eine Eule durch das Okular eines Teleskops sehen würde. Nicht einmal annähernd!

Moderne Digitalkameras nehmen ihren Besitzern bis auf die Motivwahl und dem Druck auf den Auslöser so ziemlich jede lästige ´Nebentätigkeit´ wie Belichtungszeit, Blende und Fokussierung dank ausgefeilter elektronischer Helferlein ab. Und damit wird das Fotografieren heller irdischer Motive zum Kinderspiel.

NGC 3115Völlig anders ist die Situation in der Astrofotografie. Der Versuch, mal schnell mit der ultramodernen ´Digiknipse´ die Galaxie NGC 3115 (am besten noch mit Blitzlicht ;=}) durch das Teleskop abzulichten, wird beim Betrachten des Resultats eine derbe Enttäuschung nach sich ziehen.

Um eine Aufnahme dieser Galaxie in der links gezeigten Abbildungsqualität zu erreichen, bedarf es in erster Linie viel Wissen und Erfahrung und einer Belichtungszeit in der Größenordnung von etwa einer Stunde. Trotz der heute verfügbaren, hochempfindlichen Kamerachips.

Fotografiert wurde übrigens mit absolut einfachen Mitteln, also ohne eine Profi-Ausrüstung im Wert eines Mittelklassewagens.

Mit der etwas ernüchternden Ermahnung im letzten Absatz möchten wir unsere Leser jedoch keineswegs völlig desillusioniert im Kamerarauschen stehen lassen, sondern - ganz im Gegenteil - Schritt für Schritt den Weg weisen, wie man am Ende zu beeindruckenden Astrofotografien kommt, ohne vorher ein Vermögen für die Ausrüstung ausgegeben zu haben.

Übersicht über die verschiedenen ´Disziplinen´ und Schwierigkeitsgrade in der Astrofotografie:

Nur ein kurzer Überblick und einige wenige Bemerkungen dazu. Zu den ausführlichen Beschreibungen in der harten Astropraxis gelangt man über die Links jeweils zu Beginn eines jeden der folgenden Abschnitte.

Milchstraße » Astrofotografie ohne Teleskop
Fangen wir einfach mal ganz klein an - Astrofotografie ohne Teleskop, Nachführung und weiteres Ungemach. Einfach nur die Kamera auf´s Stativ und den Sternhimmel fotografieren. Die hellen Sternbilder ´kommen´ da schon nach einer halben Minute Belichtungszeit recht eindrucksvoll. Schnell kommt da der Wunsch nach mehr Belichtungszeit auf, doch nun fangen die Sterne an zu wandern und bilden kleine Kreisbögen um den Polarstern herum. Und sie dreht sich doch, unsere Erde...

Für längere Belichtungszeiten muß man die Kamera ´huckepack´ auf das Teleskop befestigen und mit diesem nachführen lassen. Schon kann man die Belichtungszeit um ein Vielfaches erhöhen und beispielsweise die eindrucksvolle Sommermilchstraße (Bild links) bereits deutlich besser darstellen, als man sie mit dem freien Auge sieht.

Bisher war alles noch ganz einfach und gelingt bereits nach kurzer ´Einarbeitung´.

Mond - Webcamaufnahme Saturn im SCT » Mond und Planeten mit der Digitalkamera oder Webcam fotografieren

Nun gehen wir einen Schritt weiter und ersetzen das Kameraobjektiv durch ein ganz spezielles Objektiv - das Teleskop. Durch die größere Brennweite bekommt man naturgemäß auch deutlich mehr Vergrößerung und damit mehr Detail bei Mond und Planeten. Die links gezeigte, erste Aufnahme entstand mit einer Webcam durch einen sehr kleinen Refraktor bei 750mm Brennweite.

Das 2. Bild zeigt eine Webcamaufnahme von Saturn durch ein stärkeres Gerät, einem Schmidt-Cassegrain-Teleskop (SCT) mit 254mm Öffnung und 2.500mm Brennweite, welche mittels Barlowlinse auf effektiv 7,5m verlängert wurde.

Bis dahin haben wir es noch mit hellen Gestirnen zu tun, so daß hier eine hochgenaue Nachführung noch nicht zwingend erforderlich ist, denn die Belichtungszeiten bewegen sich im Bereich von Sekundenbruchteilen.

M31 » Astrofotografie mit der Spiegelreflexkamera

Nun wird es ein wenig schwieriger. Wir nehmen eine moderne, digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) mit Wechselobjektivsystem und ersetzen das Objektiv wieder durch das Teleskop. Der Clou bei diesem Kameratyp ist der, daß sie einen sehr großen Chip hat, und damit viel Himmel abbilden kann. Nebenbei läßt sich eine solche Kamera auch zum Ablichten irdischer Motive ´mißbrauchen´.

Bei Galaxien und Gasnebeln müssen wir die Belichtungszeiten erheblich steigern, sie liegen bereits in der Größenordnung von einigen Minuten pro Einzelaufnahme. Klar, daß während solch langer Belichtungszeiten punktgenau nachgeführt werden muß, die Nachführmotoren einfach laufen lassen, reicht nicht mehr aus. Das ´Guiden´ und der Leitstern als ´Referenzpunktlichtquelle´ kommen nun ins Spiel.

Links sehen wir unsere berühmte Nachbargalaxie, den Andromedanebel. Dieser wurde mit einer Spiegelreflexkamera an einem Newton mit 25cm Öffnung fotografiert.

Medusanebel » Astrofotografie mit der Astrokamera

Speziell für die Astrofotografie konstruierte Kameras stellen sozusagen die ´Königsklasse´ dar, denn sie sind bezüglich Empfindlichkeit und geringstem Eigenrauschen unschlagbar. In den letzten Jahren hat es auch bei diesem Kameratyp einen deutlichen Preisverfall gegeben, so daß viele dieser gekühlten, hochempfindlichen Kameras bereits zu erschwinglichen Preisen zu haben sind.

Der Aufwand für eine gute Astrofotografie steigt jedoch beträchtlich an, denn viele dieser Kameras sind aus guten Gründen mit einem Schwarz/Weiß-Chip ausgestattet, was die Möglichkeit bietet, auch mit Schmalbandfiltern zu ´arbeiten´, aber gerade diese Technik macht Dinge sichtbar, die sich weit jenseits der Grenzen einer Spiegelreflexkamera befinden.

Die Aufnahme links wurde mit Hilfe von Schmalbandfiltern mit der kleinen Astrokamera Atik 16IC-HS an einem 10" SCT aufgenommen und zeigt den Medusanebel Abell 21.

 


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