Astrofotografie von Mond und Planeten:

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Astrofotografie von Mond und Planeten

Astropraxis


Detailaufnahmen von der Mondoberfläche und die saubere Darstellung der Planeten Venus bis Saturn verlangen nach einer deutlich längeren Brennweite. Merkur, Uranus und Neptun sind deutlich schwieriger zu fotografieren, also lassen wir sie vorläufig auf der Innen- und Außenbahn an uns vorbeiziehen. Handelsübliche Kameraobjektive können auf Grund ihrer geringen Brennweiten die detaillierte Darstellung kleiner Himmelsobjekte nicht mehr leisten, also muß jetzt das Teleskop ´ran.

LV-OkularAber keine Angst, der erste Schritt ist noch ganz einfach: Man fotografiert einfach durch das Okular. Das geht mit einer einfachen ´Digiknipse´ mit ihrem winzigen Objektiv sogar noch einfacher als mit einer Kamera mit riesiger Objektivöffnung, denn das Strahlenbündel, das das Okular verläßt, ist nur so um 1-6mm groß - je nach Okularbrennweite.

Sehr angenehm in der Handhabung sind (nicht nur) in diesem Zusammenhang Okulare mit langem Augenabstand, sogenannte LV-Okulare (Abbildung links). Bei diesen Okularen muß die Kamera nicht so extrem nah an die Augenlinse herangebracht werden, was die Gefahr in sich birgt, sowohl Augenlinse als auch Kameraobjektiv zu verkratzen.

RefraktorWas wird benötigt?
Ein ausreichend vergrößerndes Teleskop auf einer stabilen Montierung, das kann ruhig ein kleiner Refraktor sein. Dazu eine ganz einfache Digitalkamera und eine ruhige Hand.

Die Kameraeinstellungen:
Den optischen Zoom auf Maximum einstellen, das steigert die Gesamtvergrößerung und vermeidet eine allzu starke Randabdunklung. Sollte die Vergrößerung zu hoch werden, sollte besser ein Okular mit längerer Brennweite verwendet werden. Normalerweise sollte die Entfernungseinstellung auf manuell / unendlich gestellt werden, jedoch hat sich bei einigen Kameras die Autofokuseinrichtung als erstaunlich präzise erwiesen. Hier also ausprobieren, was besser geht.

Vorteil der Fotografie durch das Okular:
Selbst die ganz kleinen Digitalkameras sind heute mit recht großen Chips und einer sehr üppigen Auflösung im Megapixelbereich ausgestattet. Mit diesen Kameras bekommt man den Mond normalerweise komplett auf das Bild und löst selbst kleinere Krater noch erstaunlich gut auf.
Ein weiterer Vorteil ist die in weiten Grenzen variable Vergrößerung (oder genauer: Effektive Brennweite), so daß sich diese leicht an das Objekt der Begierde anpassen läßt. Und ganz nebenbei - eine kleine ´Digiknipse´ ist in den meisten Haushalten bereits vorhanden oder kann vom Nachbarn ausgeliehen werden.

 

DigiklemmeTipp1:
Am Anfang wird man über ein seltsames Phänomen stolpern: Die erste Aufnahme ist irgendwie verschwommen, die nächste auch, die dritte knackscharf, die vierte wieder etwas verschwommen... Und das bei identischen Kameraeinstellungen. Schuld daran ist die Luftunruhe, in Fachkreisen auch ganz neudeutsch ´Seeing´ genannt. Diese wird durch die allgemein sehr kurze Belichtungszeit sozusagen ´eingefroren´, also ist es mal scharf und mal eben nicht. Daher lohnt es sich immer, möglichst viele Aufnahmen zu machen um dann hinterher die Besten davon herauspicken zu können. Ohne stabile Fixierung der Kamera an das Okular kann das zur nervtötenden Geduldsprobe werden. Eine sehr elegante Lösung wäre eine sogenannte Digiklemme (Bild links), die, einmal korrekt eingestellt, Kamera und Okular im idealen Abstand zueinander ausrichtet und fixiert.

Zum Ablichten unserer Planeten eignet sic hdie gerade beschriebene Methode ebenfalls, optimal ist das jedoch nicht. Denn

  1. Sind die Planeten sehr klein, nur maximal 1´ (Venus un unterer Konjunktion) sind ´drin´. Mit dem großen Chip der Digitalkamera schießt man daher mit Kanonen auf Spatzen.
  2. Wird möglichst viel Brennweite benötigt, am besten was Teleskop oder Luftunruhe hergeben.
  3. Kommt es auf eine bestmögliche Darstellung feinster Strukturen an. Hierzu sollten sehr viele Bilder gemacht und die Besten davon zur weiteren Qualitätssteigerung aufaddiert (´gestackt´) werden.

Eine handelsübliche Digitalkamera ist für solche Zwecke einfach zu langsam. Besser gelingen Planetenaufnahmen, wenn man sie mit einer Webcam fotografiert. Doch dazu später mehr. Zunächst möchten wir einen Überblick über die leicht zu fotografierenden, hellen Planeten und deren visuellen Größen zeigen:

Planet Größe Belichtungszeit Bemerkungen
Venus 63" 1/1000s Venussichel nahe der unteren Konjunktion
Mars 25" 1/250s Zur Perihelopposition
Jupiter 50" 1/100s Zur Perihelopposition
Saturn 20" 1/50s Zur Opposiotion, ohne Ringe

Webcam Philips SPC900Wie bringt man eine Webcam ans Teleskop?
Nichts einfacher als das! Man schraube das Objektiv herunter und ersetze es  durch eine passende 1,25"-Steckhülse, in die wiederum ein UV/IR-Sperrfilter eingeschraubt wird. Zusammen mit der Hülse wird die Webcam wie ein Okular einfach in den Okularauszug gesteckt. Fertig. Oder man entscheidet sich gleich für unser Komplettpaket, das mit geeigneter Webcam, Steckhülse und Sperrfilter bereits alle ´Zutaten´ beinhaltet.

Und schon kann´s losgehen. Hauptvorteil der ´Webcammethode´ ist, daß in kürzester Zeit sehr viele Einzelaufnahmen ´geschossen´ werden. Pro Minute kommen dann schon 300 Aufnahmen zusammen, in 20 Minuten sind das schon 6.000! Diese Bilder werden per USB zum Rechner übertragen und dort in ein AVI ´verpackt´. Zum Auspacken eignet sich das Freewareprogramm Giotto sehr gut, und man kann die vielen Schnappschüsse sichten. Die besten werden herausgepickt und im gleichen Programm aufaddiert, wobei die Ausrichtung automatisch korrigiert wird. Jetzt wird auch klar, daß die Nachführung gar nicht so furchtbar genau sein muß und zur Not auch manuell erfolgen kann.

Saturn mit der WebcamBei guter, ruhiger Luft sind mit einer guten Webcam wie die Philips SPC900 NC an einem mittelgroßen Teleskop durchaus Aufnahmen möglich, wie der links gezeigte Saturn.

Verwendet wurde die Webcam Philips ToUcam 840 (Vorgängermodell der SPC900) an einem 10" SCT mit einer auf 7,5m verlängerten Brennweite.

Aufgenommen wurden insgesamt 5.000 Bilder, von denen ´nur´ 600 handselektierte zum Aufaddieren herangezogen wurden.




 


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