Erfahrungsbericht
TS Bino Ansatz
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Testbericht TS-Bino 1,25“
Wir waren einfach neugierig. Überall heißt es, dass beidäugiges Sehen am Teleskop der einäugigen Betrachtung stark überlegen ist. Als wir beim Websurfen über das TS-Bino stolperten, erschien es uns als kostengünstige Gelegenheit, einen ersten Eindruck der beidäugigen Beobachtung zu bekommen. Aufgrund des niedrigen Preises (€ 169,- zzgl. Okulare) hatten wir damit gerechnet, wohl die eine oder andere Einschränkung in Kauf nehmen zu müssen. Wir wurden ziemlich überrascht.
Geliefert wurde das Bino im März 2005 von Teleskop Service Ransburg, gemeinsam mit einem passenden Okularpaar 15mm (66 Grad Eigengesichtsfeld) und dem Lichtwegkorrektor. Der Korrektor ist im Grunde eine aufschraubbare Barlowlinse, die am Bino einen Vergrößerungsfaktor von 2,7x bewirkt. Der Gesamtpreis lag bei rund € 350,-. In den darauf folgenden Wochen haben wir die Konfiguration an drei Geräten getestet (Refraktor 70mm f/5, Refraktor 70mm f/10 und Maksutov 90mm f/14).
Unsere anfänglichen Befürchtungen konzentrierten sich auf die üblichen Bildfehler, wie sie über Binos kolportiert werden. Wir erwarteten zumindest Ghost Images – zu unserer anhaltenden Überraschung sind keine feststellbar. Das gleiche gilt für Doppelbilder. Auch Abberationen durch ungenau geschliffene Prismen hatten wir befürchtet – es sind aber keinerlei Deformationen der Wellenfront zu erkennen. Die Transmission ist erstaunlich hoch. Obwohl das Einzelbild im Bino naturgemäß abgedunkelt ist, liegt der Helligkeitsverlust bei beidäugiger Betrachtung in der Größenordnung von nur einer halben Größenklasse. Der wirklich einzige minimale Fehler, den wir feststellen konnten, ist eine leichte chromatische Abberation durch den Lichtwegkorrektor. Alles in allem, die optische Leistung des TS-Binos ist erstaunlich. Insgesamt kann das Preis/Leistungsverhältnis als sehr gut bezeichnet werden.
- Verarbeitungsqualität: hoch, alles aus Metall - optische Qualität des Binos: sehr gut - optische Qualität des Lichtwegkorrektors: gut - optische Qualität der Okulare: sehr gut
Eventuelle Interessenten am TS-Bino möchten wir noch auf folgende wichtige Zusammenhänge hinweisen: Erstens, das TS-Bino lässt sich ohne Lichtwegkorrektor (also ohne der starken Nachvergrößerung von 2,7x) nur an Teleskopen einsetzen, die einen entsprechenden Back Focus von 116mm aufweisen. Zweitens, das TS-Bino hat eine okularseitige Durchlassöffnung von 18mm. Das schränkt natürlich die Auswahl der Okulare ein. Langbrennweitige Okulare mit hohem Eigengesichtsfeld (z.B. 25mm Wide Field mit 60 Grad Eigengesichtsfeld) sind nicht sinnvoll, sie müssen unweigerlich ein vignettiertes Bild erzeugen. Die oben erwähnten 15mm Okulare mit 66 Grad Eigengesichtsfeld bilden allerdings die perfekte Kombination mit dem Bino und sind völlig frei von Randabschattungen.
Abschließend noch unsere generellen Erfahrungen mit dem beidäugigen Sehen, wie wir sie bei den ersten Tests mit dem TS-Bino gewinnen konnten. Wie die hier beschriebenen Effekte zeigen, macht man mit einem Bino das eigene Gehirn zum Fernrohrzubehör. Denn erst bei beidäugigem Sehen kommt man in die Lage, das volle Potenzial seiner visuellen Verarbeitungsmöglichkeiten auszunützen.
1. Objekte wirken größer: Das Gehirn schätzt offensichtlich Objekte größer ein, wenn sie mit beiden Augen gesehen werden. Sie wirken etwa ein Drittel größer.
2. Das scheinbare Gesichtsfeld wirkt größer: Aus demselben Grund (1.) wirkt auch das Gesichtsfeld weiter. Okulare mit 66 Grad Eigengesichtsfeld erzeugen mit dem TS-Bino etwa den gleichen subjektiven Eindruck wie ein einäugig verwendetes Nagler Okular mit 82 Grad Eigengesichtsfeld.
3. Objekte wirken dreidimensional: Das Gehirn schummelt (zu den im Grunde noch immer flachen Bildern) eine Tiefenwirkung dazu. Der Mond ist eine Kugel, ebenso die Sonne. Die Gasriesen mit ihren Monden werden zu kleinen Sonnensystemen, die man von Außen betrachtet. Sternhaufen bekommen eine Tiefenwirkung, helle Sterne stehen Vorne, schwächere im Hintergrund.
4. Die Farbwahrnehmung steigt: Bei Doppelsternen wird sofort erkennbar, wie der leichten Lichtabschwächung zum Trotz die Farbwahrnehmung zunimmt. Bei einem tief stehenden Jupiter ist zum Beispiel die atmosphärische Dispersion (roter/blauer Planetenrand) sofort auffällig.
5. Die Wahrnehmung von schwachen Kontrasten steigt: Scheinbar werden schwache Kontrastunterschiede, die mit nur einem Auge gesehen werden, vom Gehirn als Rauschen interpretiert. Nicht so mit beiden Augen. Im Bino war bei mittelmattem Seeing die Granulation über die ganze Sonnenkugel stetig sichtbar. Auch zarte Planetendetails sind im Bino wesentlich deutlicher.
6. Das Seeing wird beruhigt: Beidäugiges Betrachten gibt dem Gehirn offensichtlich mehr Spielraum beim Ausgleichen von Seeing-Effekten. Die Bilder wirken bei schlechtem Seeing im Bino ruhiger und detailreicher als mit einem Auge.
Alles in allem, man kann sich wirklich dran gewöhnen. Das Beobachtungserlebnis ändert sich so stark, dass man im Grunde mit einem Bino ein völlig neues Teleskop erhält. Der Unterschied zwischen einäugigem Sehen und Bino-Beobachtung ist in etwa wie der Unterschied zwischen Fernsehen und einem Blick aus dem Fenster auf die wirkliche Welt – es ist einfach echter.
Wenn Sie jetzt wissen möchten, was ein Bino an Ihrem Teleskop bewirkt, dann nehmen Sie sich einfach folgendes Experiment vor: Sobald Sie das nächste Mal unter einem Nachthimmel stehen, blicken Sie nach oben und decken Sie ein Auge ab – dieser Anblick entspricht dem, was Sie zurzeit mit Ihrem Teleskop sehen können. Halten Sie das mindestens eine halbe Minute durch und versuchen Sie so viele Details wie möglich zu erkennen. Wenn Sie Ihre Hand wieder wegnehmen, werden Sie eine richtige Erleichterung verspüren – und gleichzeitig erkennen, welche Veränderung binokulares Sehen bedeutet.
Mag. Karoline Mrazek – DokuConsult – www.dokuconsult.at Dipl.Ing. Erwin Matys – Product
Management Consulting –
www.matys.at
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