Fotografische Eignung des Synta ED APO 80/600

Von F. Schneider (Frühjahr 2004)

Einleitung
Erste Eindrücke
Testtafel-Aufnahmen
CCD-Aufnahmen
Chemische Kleinbildaufnahmen
Fazit

Einleitung

Im Herbst 2003 tauchte auf dem Markt der kleinen Apochromaten ein neues, bereits heiß diskutiertes Gerät auf:

Der Synta ED APO 80/600

Technisch handelt es sich um ein zweilinsiges, apochromatisches Design mit 80mm Öffnung und einer Brennweite von 600mm. Neu im Bereich der "Chinageräte" ist der Crayford-Auszug, der ein feinfühliges und vor allem shiftingfreies Fokussieren ermöglichen soll.

Nachdem erste Testberichte zur visuellen Verwendung des Geräts veröffentlicht wurden, zeigte sich, das ein Test auf die Fototauglichkeit des kleinen Chinesen durchaus interessante Ergebnisse bringen könnte.

Im Herbst 2003 bot der Autor daher dem Teleskop-Service in München an, einen diesbezüglichen Test durchzuführen.
Das Testgerät ist daher eine Leihstellung von TS und traf im Januar 2004 beim Tester ein.

Als Vergleichsgeräte wurden ein 80/400mm FH (Celestron WA80) sowie ein Borg ED76 (76/500mm ED-Apochromat) verwendet, als Kameras kamen im Deep-Sky-Bereich eine SXV-H9 von Starlight Express nebst Astronomik LRGB-Filtersatz (Typ II) sowie eine Olympus OM-1 mit Fuji Provia400F zum Einsatz. Für die Testtafel-Aufnahmen sowie die Gerätebilder wurde eine Nikon Coolpix995 verwendet. Die chemischen Aufnahmen wurden mittels eines Dia-Adapters mit der Nikon Coolpix995 digitalisiert.

Wetterbedingt konnten erst gegen Ende Februar die ersten Deep-Sky-Aufnahmen gewonnen werden.

Erster Eindruck

Das Gerät macht einen soliden Eindruck, der Tubus scheint allerdings etwas überdimensioniert zu sein. Positiv fällt die Linsenfassung auf, die aus einem gedrehten Stück zu bestehen scheint und nicht aus dem sonst bei "Chinageräten" üblichen Druckguß-Material.

Ein Vergleichsbild mit dem Borg ED 76 zeigt, das dieser deutlich kleiner und auch leichter (1,6kg gegenüber 2,6kg des Synta) ist, dem Synta fehlt darüberhinaus auch die einschiebbare Taukappe des Borg sowie der Schiebe-Auszug mit Helical-Fokussierer, an seine Stelle tritt ein Crayford-Auszug.

Was die Empfindlichkeit auf Taubeschlag angeht, scheint der Synta durch seine höhere Masse und die längere Taukappe im Vorteil zu sein, er beschlug jedenfalls in den meisten Fällen zuletzt.

equipment_1.jpg (27632 Byte)

Montiert wurden beide Geräte auf den Rohrschellen eines 10-Zöllers, dieser mußte aus Gewichtsgründen seinen Platz auf der Celestron Ci700 Montierung räumen. Der FH 80/900mm (Bildmitte) ist das Leitrohr, unterhalb der Synta-APO, oberhalb der Borg ED 76:

equipment_2.jpg (47645 Byte)

Zum Abschluß noch eine Aufnahme der Optik von vorne, man sieht deutlich die grünlich schimmernde Vergütung sowie die Tubusblenden:

blenden.jpg (24537 Byte)

Testtafel - Aufnahmen

Gleich nach der Lieferung des Geräts wurden Vergleichsaufnahmen an einer Testtafel (Siemens-Stern) gemacht, hierbei wurde in Okularprojektion mit einem Vixen LV 15mm Okular sowie einer Nikon Coolpix995 ein Siemens-Stern aus ca. 15m Entfernung bei Sonnenschein aufgenommen:

siemens_stern.jpg (294593 Byte)

In diesem Vergleich zeigt sich, das der Borg ED 76 in Sachen Farbkorrektur die Nase vorne hat, der Synta tendiert zu grünlichen Rändern, der Borg eher zu bläulichen. Beide Farbfehler sind prinzipiell unerwünscht, ein blauer Hof wirkt bei Astroaufnahmen allerdings weniger störend als ein grüner.

Die Optik des Borg ED 76 scheint auch einen geringfügig höheren Kontrast zu liefern, man vergleiche bei beiden Aufnahmen die Deutlichkeit der Papierstruktur.

Beide Aufnahmen sind im Übrigen die jeweils besten aus einer ganzen Serie, an Bearbeitungsschritten wurden eine Kontrastanpassung (etwa gleiche Helligkeit beider Aufnahmen) sowie ein Zuschneiden auf die hier gezeigte Größe durchgeführt.

Zum Vergleich dieselbe Aufnahme durch einen WA80 (80/400FH):
siemens_stern_wa80.jpg (59883 Byte)
Gegenüber den beiden APOs hat der WA80 natürlich das Nachsehen und zeigt den typischen Farbfehler schneller Fraunhofer-Achromaten.

CCD Aufnahmen

Der erste Test bei CCD-Aufnahmen gilt immer dem Okularauszug: Besteht hier ein  übermäßiges Shifting, so wird das Fokussieren zur Qual.

Spätestens, wenn beim Vor- und Zurückfokussieren der Stern aus dem Fokus-Bildfeld der CCD-Kamera (meist in der Größe von einigen Quadratbogenminuten)  springt, wird es ärgerlich. Visuelle Beobachter nehmen dieses Problem meist nur sehr untergeordnet wahr, da es dort erst bei recht hohen Vergrößerungen störend auftritt.

Die berühmt-berüchtigten "Chinaauszüge", aber auch Geräte von US-Markenherstellern zeigen hier immer wieder, wie man es nicht machen soll.

Von daher war es sehr interessant zu sehen, wie sich hier der Crayford-Auszug des Synta ED APOs machen wird.

Der Auszug des Synta zeigt ein Shifting, dieses ist beim Testgerät aber mit ca. +/-15 Bogensekunden so klein, das es nicht störend auffällt.
Es liegt mit diesen Werten durchaus im Bereich von Marken-Auszügen bzw. Zusatzgeräten zur Shifting-Verhinderung.  Der Auszug des Synta ist damit in dieser Disziplin als voll fototauglich zu bezeichnen.

Ein Nachteil sei aber auch erwähnt: Man kann den Okularauszug derzeit nicht festklemmen, was bei schwerem Fotozubehör und zenitnahen Aufnahmen die Gefahr eines unbemerkt wegrutschenden Fokus mit sich bringt. Bei den hier gemachten Aufnahmen traten allerdings keine derartigen Probleme auf, selbst bei zenitnaher Aufnahme (M106) blieb der OAZ an Ort und Stelle.

Nun aber zu den Bildern, erstes Testobjekt war M42, der große Orionnebel:

m42_syntha_sxv_lrgb_ddp_hp_1_800.jpg (65086 Byte)

Zweites Objekt war NGC1973:

ngc1973_sxv_synta_lrgb_120_ddp_hp2_1_800.jpg (40902 Byte)

Als drittes Objekt noch ein offener Sternhaufen: M67

m67_sxv_synta_lrgb_30_hp1_1_800.jpg (99743 Byte)

Zu guter Letzt dann noch eine Galaxie, M106:

m106_lrgb_240_ssb_hp1_1_800.jpg (43281 Byte)

Bei den CCD-Aufnahmen zeigt sich bei helleren Sternen der schon bei den Testtafel-Aufnahmen aufgekommene Verdacht, das die Farbkorrektur zu grünlichen Rändern neigt. Insbesondere bei der vollen Auflösung der obigen Bilder zeigen sich zum Teil grünlich-blaue bis grünliche Ränder um hellere Sterne.


Als Vergleich eine Aufnahme von NGC2024 mit dem Borg ED 76: NGC2024 und Pferdekopf

ngc2024_lrgb_300_hp_1_1_1024.jpg (82862 Byte)

Chemische Kleinbildaufnahmen

Bei chemischen Aufnahmen ist neben der Farbreinheit auch die Ausleuchtung des Formats (hier Kleinbild, 24x36mm) sowie die Feldkorrektur in den Ecken von Bedeutung. Bei stärkerer Bildfeldwölbung verformen sich die Sterne in den Bildecken oder zeigen dort komaförmige Verzeichnungen.

Zum Vergleich zwei Aufnahmen von M42, links mit dem Borg ED 76, rechts mit dem Synta ED:

borg3453_1_450.jpg (60103 Byte) synta3459_1_450.jpg (51441 Byte)

Ein Vergleich der Bildecken zeigt, das die Feldkorrektur des Synta etwas besser ist als die des Borg.
Mit einem zum Vergleich noch hinzugezogenen Pentax SDHF75 kann sie jedoch nicht konkurrieren:

vergleich_ecke_2.jpg (57181 Byte)

Fazit

Nach meinen Tests hat der kleine APO-Chinese durchaus Potential und ist eine Bereicherung dieser Sortimentsklasse.
Wer auf der Suche nach einem kleinen, auch fototauglichen APO ist, sollte sich das Gerät unbedingt einmal ansehen.

In Sachen Farbkorrektur und Handlichkeit muß sich der Synta ED APO dem Borg ED 76 geschlagen geben, in Sachen Mechanik und Verarbeitung zieht er mit diesem jedoch fast gleich. Beim Kleinbildeinsatz hat er bei der Feldkorrektur sogar die Nase vorne.

Gegen reinrassige Foto-APOs wie z.B. den Pentax SDHF75 verbietet sich ein Vergleich an sich von selbst, eignen sich diese doch auch noch für Mittelformat, der Synta kann hier durch seinen 2-Zoll-Auszug prinzipbedingt nicht mehr mithalten. Das die Feldkorrektur eines solchen Foto-APO dann vom Synta ED nicht erreicht werden kann, dürfte auch niemanden wirklich überraschen.

Abschließend noch eine Kurzzusammenfassung meiner Erfahrungen:

Pro

  • Annehmbare Farbkorrektur
  • CCD-geeigneter Auszug
  • Ausreichender Backfokus
  • Relativ gute Feldkorrektur auch für KB
  • Einfache Befestigungsmöglichkeit, keine Notwendigkeit von Rohrschellen
  • Günstiger Preis

Contra

  • Leicht grünliche Ringe bei hellen Sternen im CCD-Einsatz
  • Nicht eindeutig klemmbarer Okularauszug
  • Relativ hohes Gewicht und gegenüber manchen Konkurrenzgeräten deutlich unhandlicher

F. Schneider, im Frühjahr 2004
spatz1@ t-online.de

Anmerkungen von Teleskop-Service:
Sicherlich muß man die Preise der Geräte auch in Betracht ziehen. Der Borg und der Pentax kosten, im Vergleich zum Synta ED 80, mehr als das Doppelte. Aus diesem Blickpunkt kann man beim Synta 80ED von einem echten Volksapo sprechen. Er ist nicht perfekt, bietet aber eine gute Abbildung und ein kompaktes Design in einer Preisklasse, wo bis dato ED Geräte mit dieser Öffnung noch nicht vertreten waren.

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