TS - ASTRO PRAXIS:

Wie beurteile ich die Qualität eines Newton Teleskopes

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Ein Motto gilt für diese Seite: "Jede Kette ist so stark, wie ihr schwächstes Glied."

Wir wollen Ihnen auf dieser Seite klar und allgemein verständlich die Beurteilungskriterien für ein Spiegelfernrohr nach Newton vorstellen.

Diese Ausführungen sind Resultate von unseren persönlichen Erfahrungen und können sich durchaus von anderen Meinungen unterscheiden.

Übersicht der Themenbereiche mit Direktlink

Newton Aufbau Vergleich zu anderen Teleskopsystemen Der Okularauszug Abschattung durch
den Fangspiegel / Halter
Die Innenausschwärzung Justage
vorrichtung
Spiegelqualität Praktischer Test am Stern Definition der
Qualität eines
Spiegels
Das Trägermaterial
des Hauptspiegels
Kritische Schlußbemerkung  

Aufbau eines Newtons Reflektors

ReflectorDiagram.gif (11989 Byte)
Aufbau eines Newtons

Das Licht kommmt von rechts rein und geht durch das Rohr. Es trifft auf den Hauptspiegel (links unten), wird reflektiert und gebündelt.

Der Fangspiegel (rechts oben) reflektiert das Licht im 90° Winkel aus dem Fernrohr raus.

Vorne seitlich sitzt der Okularauszug, in den das Okular zur Beobachtung und Vergrößerung des entstandenen Bildes eingesetzt wird.

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Zwar ist der Hauptspiegel das optisch wichtigste Teil des gesamten Gerätes aber genauso wichtig sind viele andere Faktoren, die die endgültige Qualität des Gerätes bestimmen.

Meist wird, wenn man über die Qualität von Teleskopen spricht, nur an die optische Qualität des Hauptspiegel gedacht. Jeder praktisch arbeitende Hobbyastronom weiß ein Lied davon zu singen, daß die Qualität eines Newton-Teleskopes von viel mehr Faktoren abhängt.

Vor- und Nachteile eines Newtons gegenüber den wichtigsten Fernrohrtypen

Ein Newton ist an sich ein geniales und einfaches System. Nur zwei optische Flächen müssen bearbeitet werden (der Hauptspiegel und der Fangspiegel). Deshalb bietet ein Newton meist die größte Öffnung für das Geld. Vergleichbare Teleskope anderer Bauart sind teurer. Trotzdem gibt es natürlich Vor- und Nachteile:

Refraktor
Klassisches Gerät mit einem Objektiv (meist ein Achromat - bestehend aus zwei Linsen) am vorderen Ende des Teleskopes.

Vorteile
des
Newtons
Der Newton hat, fürs gleiche Geld, die größere Öffnung, damit verfügt er auch über die höhere Leistungsfähigkeit (Lichtsammelvermögen, Auflösung). Außerdem ist die Abbildung des Newtons von Haus aus farbfehlerfrei. Ein weiterer Vorteil ist die schnellere Auskühlung des Gerätes, da das Gerät ja vorne offen ist und die warme Luft schneller entweichen kann.

Achromatische Refraktoren
Mittlerweile gibt es gute und vor allem günstige Refraktoren bis 150mm Öffnung. Ein lichtstarker Refraktor kann ein sehr schönes Großfeldgerät sein. Dies bringt ein Newton aber auch. Gerade lichtstärkere Refraktoren haben, als Einschränkung, den Farbfehler, der sicherlich schwerer wiegt, als der Fangspiegel bei einem Newton, mit gleichem Öffnungsverhältnis.

Apochromatische Refraktoren
Für einen überzeugten Besitzer eines Apo´s gibt es per Definition kein besseres Instrument. Teilweise hat der Sternfreund sogar recht. Die Abbildung ist fast farbfehlerfrei und der Kontrast ist überwältigend, da kein Fangspiegel stört. Aber, neutral gesehen, bietet der Newton einfach viel mehr Leistung fürs Geld. Es wäre das Gleiche, einen Ferrari Sportwagen mit einer schönen großen Limousine zu vergleichen. Man kann es nicht!

Hart gesagt: Der Newton bietet am meisten Öffnung und damit die größte Leistung für das Geld. An dieses Verhältnis kommt kein anderes Gerät ran.

Nachteile
des
Newtons
Der Fangpiegel beeinträchtigt die Schärfe im hohen Vergrößerungsbereich. Verstärkt wird dies oft noch durch unverhältnismäßig dicke Fangspiegelspinnen. Die offene Bauweise begünstigt auch Luftturbulenzen (Tubus Seeing), dadurch wird die Abbildung bei hohen Vergrößerungen unruhig. Das Gerät ist auch etwas anfälliger gegen Streulicht, als ein Refraktor.

Sternfreunde, die ein universales Gerät, für die Erdbeobachtung und für die Himmelsbeobachtung suchen, fahren mit einem kleinen Refraktor oft besser.

Resumee Als kleines und vor allem universales Teleskop ist ein Refraktor zu empfehlen. Trotzdem ist, z.B. der Newton mit 114mm Öffnung, ein klassisches Einsteigergerät für Sternfreunde, die nicht so viel Wert auf die Erdbeobachtung legen. Das Motto beim Newton ist ganz einfach: Sie erhalten maximale Öffnung und damit maximale Leistung für das Geld.

Auf die Nachteile des Gerätes kann man sich gut einstellen (dunkle Innenauskleidung des Gerätes und (wichtig) möglichst wenig Abschattung durch den Fangspiegel und die Fangspiegelstreben. Das Bild des Newtons ist immer am Kopf stehend. Nur mit einem Korrektor kann man das Bild wieder aufrichten.

Schmidt Cassegrain / Maksutov
Kompakte Geräte mit einem sphärischen Hauptspiegel, durch ein Korrektorelement im Strahlengang werden die Fehler des Systems ausgeglichen.

Vorteile
des
Newtons
Der Newton hat in der Regel, bei höherer Lichtstärke, die kleinere Abschattung durch den Fangspiegel. Ein sauber gearbeiteter Newton ist auch bei Mond und Planeten einem Maksutov oder Schmidt Cassegrain überlegen, da der Fangspiegel kleiner ist.

Die höhere Lichtstärke ist auch ein Vorteil bei der Astrofotografie. Mei Maksutovs oder Schmidt Cassegrains muß man erst mit optischen Systemen die Brennweite kürzen, was nicht unbedingt die Abbildungsqualität steigert.

Selbstverständlich ist auch hier ein Newton deutlich günstiger, als ein Schmidt Cassegrain oder Maksutov gleicher Öffnung. Ein nicht unerheblicher Vorteil ist die schnellere Auskühlung durch das offene System. Größere SC Teleskope brauchen oft Stunden für den Ausgleich. Nicht zuletzt kommt ein Newton auch ohne Tauschutzkappe aus, da die optischen Elemente nicht so exponiert liegen.
Nachteile
des
Newtons
Der Newton hat die längere Bauweise, er braucht somit auch die stabilere Montierung, was sicherlich einen Teil des Preisvorteiles wieder wett macht. Ein Newton ist natürlich auch etwas weniger transportabel. Allerdings braucht man für die Maksutovs oder SC´s eine Tauschutzkappe, um ein Zutauen der exponierten Frontlinse bzw. Schmidtplatte zu verhindern.

Die offene Bauweise kann auch in diesem Fall Luftturbulenzen im Tubus begünstigen.

Da die Maksutovs und Schmidt Cassegrain meist den Hauptspiegel zum Fokussieren bewegen, hat man keine Probleme, auch extremes Zubehör, wie Bino Ansätze, anzubringen. Ein Newton hat einen sehr kurzen Fokussierweg. Da kann es schon zu Problemen mit Zubehörteilen, die einen längeren Fokussierweg erfodern, kommen.
Resumee: Sternfreunde, denen Transportabilität sehr wichtig ist und die ein vielseitiges Fernrohr suchen, sollten sich überlegen, zum SC oder zum Maksutov (etwas besserer Kontrast als ein SC) zu greifen. Aber auch hier gilt, daß ein sehr guter Newton optisch mindestens gleichwertig  ist, durch den kleineren Fangspiegel.

Für die Astrofotografie ist ein gutes Newton-System ebenfalls geeigneter, durch die höhere Lichtstärke. Allerdings empfehlen wir für Systeme ab f/5 oder lichtstärker einen Koma Korrektor.

Schmidt Newtons

Vorteile
des
Newtons

In diesem Bereich gibt es erhebliche Unterschiede in der Fernrohrqualität. Während z.B. aus Rußland hervorragende Maksutov Newton Systeme kommen, die den Vergleich zu einem hochwertigen apochromatischen Refraktor mit nur etwas weniger Öffnung nicht zu scheuen brauchen, gibt es einfachere Systeme, die man durchaus kritischer betrachten sollte. Das Motto ist: Newton ist nicht gleich Newton:

Die Funktionsweise der Systeme ist immer ähnlich: Der Korrektor gleicht die Fehler Kugelspiegels aus. Der Korrektor kann vor dem System liegen, wie bei den Maksutov Newtons, er kann aber auch im System integriert sein. Der Vorteil eines guten Systems ist, daß auch bei hoher Lichtstärke das nutzbare Feld größer ist, als beim klassischen Newton mit gleicher Lichtstärke. Einen ähnlichen Effekt erreicht man, wenn man bei einem klassischen Newton einen Koma Korrektor, für die Astrofotografie, benutzt.

Grundsätzlich gilt: jedes optische Element, welches in den Strahlengang gebracht wird, kostet Licht und ist natürlich auch eine mögliche Fehlerquelle. Eine gute Vergütung minimiert den Lichtverlust. Hier gibt es eine gute Testmöglichkeit: Richten Sie das Gerät auf eine gleichförmig weiße Wand. Schauen Sie durch den Okularauszug (ohne Okular) und vergleichen Sie, wie weiß die Wand wirklich ist. Dies ist zwar kein exakter Test aber er kann Ihnen einen ersten Eindruck geben, ob die Verspiegelung und natürlich die Vergütung des Korrekturelementes (Schmidt Platte - Maksutov Linse oder Korrektorelement) in Ordnung ist.

Systeme mit Korrektorlinse oder Platte am vorderen Tubusende:
Ein großer Nachteil von Systemen mit Schmidtplatten oder Maksutov Linsen darf nicht verschwiegen werden. Die exponierte Fläche neigt dazu, schnell zuzutauen. Gerade die dünnen Schmidt Platten haben da mehr Probleme, als z.B. dickere Linsen. Ein klassischer Newton ist da besser, da der Tubus quasi als Taukappe dient. Man ist gezwungen, mit Heizungen, die ja auch eine leichte Luftunruhe produzieren, oder mit langen Tauschutzkappen zu arbeiten, die das Gerät verlängern und die Windangriffsfläche erhöhen. In der Regel ist die Gefahr der Verschmutzung der vorderen Fläche auch größer, da sie exponierter ist, als der Hauptspiegel beim Newton.

Ein Vorteil der Systeme birgt auch einen weiteren Nachteil - das geschlossene System. Wenn das Gerät ausgekühlt ist, ist ein geschlossenes System von Vorteil. Der Kamineffekt bleibt aus, die Luft im Tubus ist ruhig. Allerdings ist dies auch ein Nachteil, da sich die Auskühlzeit verlängert. Das Gerät braucht also länger, um für hohe Vergrößerungen einsatzbereit zu sein. Lüfter können helfen, die Auskühlzeit zu verringern, da sie aktiv kühle Luft ins Fernrohr bringen.

Systeme mit einem Korrektorelement im Tubus:
Ein Vorteil dieser Systeme ist die kurze Bauweise, die das Gerät ähnlich kompakt macht, wie z.B. ein Maksutov oder Schmidt Cassegrain. Die Stabilität des Gesamtsystems erhöht sich. Gegenüber einem klassischen Newton, mit gleichem Öffnungsverhältnis, hat das Gerät aber einen größeren Fangspiegel - eine Konzession an die kurze Bauweise. Das macht diese Geräte für die Mond- und Planetenbeobachtung weniger geeignet, als ein klassischer Newton. Das Korrektorsystem korrigiert die Fehler des Hauptspiegels und wirkt darüber hinaus brennweitenverlängernd.

Die Grundidee dieser Geräte ist eigentlich recht gut, leider gibt es große Unterschiede in der Qualität. Die Korrektorlinse muß sehr gut in den Strahlengang eingepasst sein. Eine geringe Verkippung führt sofort zu einer dramatischen Verschlechterung der Abbildung. Die Geräte, wo die Linse vor dem Fangspiegel - in Richtung Hauptspiegel - eingebaut sind, können empfohlen werden. Von den Geräten, wo die Korrektorlinse im Okularauszug integriert ist, ist eher abzuraten.

Der Einsatzbereich dieser Geräte ist in der Astrofotografie und im Deep Sky Bereich zu suchen. Durch die verbesserte Feldschärfe gelingen hier gute Ergebnisse.

Nachteile
des
Newtons
Um mit einem klassischen Newton mit hoher Lichtstärke, Astrofotografie betreiben zu können, braucht man einen Koma Korrektor. Ansonsten sind die Sterne am Rand zu kleinen Kometen verzerrt. Geräte mit einem Korrektorelement im Tubus oder vor dem Tubus haben dieses Problem nicht.

Geräte mit geschlossenem System brauchen zwar länger für die Auskühlung, dafür wird dann der Kamineffekt gemildert. Auch die Fangspiegelstreben fallen weg, da in der Regel der Fangspiegel an der Korrektorplatte befestigt wird. Gerade die Maksutov Newtons werden aus diesem Grund gerne für Planetenbeobachtung hergenommen.

Resumee Das Preis - Leistungsverhalten eines klassischen Newtons ist sicherlich unschlagbar. Wenn man einen Newton gut durchplant, hat man ein herrliches Gerät für alle Bereiche der Amateurastronomie zur Verfügung. Auch ein Koma Korrektor, für die Astrofotografie, ist nicht so teuer.

Maksutov Newtons sind eher Spezialinstrumente für die Planetenbeobachtung, sie sind etwas schönes für Sternfreunde, die ultimative Schärfe und Kontrast wollen. Die Geräte sind etwas teurer aber bieten dafür hervorragende Leistungen.

Schmidt Newtons und Newtons mit eingebauten Korrektoren sind gute Geräte für Deep Sky Beobachtung und Fotografie. Allerdings kann ein klassischer Newton, mit Koma Korrektor, eine vergleichbare Leistung bringen. Gerade Sternfreunde, die einen kompakten Newton für Nebel und Galaxienbeobachtung und für Astrofotografie suchen, sollten sich die Alternative
- Kompaktnewton mit innenliegenden Korrektorelement - überlegen.

Der Okularauszug

2zauszug.jpg (18177 Byte)

Der 2" Okularauszug eines Newton
Teleskopes

Mit Abstand am meisten benützt wird der Okularauszug. Jeder Beobachter- oder Okularwechsel erfordert eine neue Einstellung der Schärfe.

Der Okularauszug hat die Aufgabe, das Okular oder die Kamera stabil zu halten. Er muß eine feinfühlige und wackelfreie Verstellung ermöglichen.

Auf folgendes sollten Sie achten:

Der Auszug soll mindestens für 1,25" Okulare ausgelegt sein. Ab 20cm Öffnung wäre ein 2" Okularauszug zu empfehlen, da nur mit 2" Okularen das ganze Gesichtsfeld des Gerätes ausgenutzt werden kann oder auch fotografisches Zubehör und Koma Korrektoren verwendet werden können.

Der Auszug sollte aus Metall sein. Bei kleineren Geräten sind oft Kunststoffauszüge dabei, diese sollten zumindest wackelfrei und gleichmäßig laufen.

Wenn mit dem Okular scharfgestellt wurde, darf das Auszugsrohr nicht zuweit in das Innere des Fernrohres ragen, da ansonsten das Bild abgeschattet wird und die Schärfe und Kontrast reduziert werden.

Bedenken Sie, die schönste Optik nutzt nichts, wenn der Auszug wackelt, auch eine perfekte Justierung ist sinnlos, da das Okular dann nie genau auf der optischen Achse ist.

Die Abschattung (Obstruktion) durch den Fangspiegel und die Fangspiegelspinne

gsospinne.jpg (15216 Byte)


Ein taiwanesischer Newton mit einer vorbildlichen Fangspiegelhalterung

Fotografisch optimierte Geräte haben meist eine Abschattung um 30%. Geräte, die besonders gut für Planetenbeobachtung geeignet sind, haben eine Abschattung von unter 25%.

Die Abschattung durch den Fangspiegel ist beim Newton nicht zu verhindern. Sie beeinflusst die Qualität der Abbildung mehr, als kleine Qualitätsunterschiede des Hauptspiegels, wie zum Beispiel das Trägermaterial.

Die Abschattung des Fangspiegels wird immer linear angegeben. Bei 200mm Öffnung und 50mm Fangspiegeldurchmesser (kleine Achse) hat man also eine Abschattung (Obstruktion) von 25%. Je kleiner die Abschattung, desto besser ist das Gerät für hochauflösende Beobachtungen von Mond und Planeten geeignet.

Allerdings darf der Fangspiegel nicht zu klein sein, denn sonst ist der Hauptspiegel nicht vollständig ausgeleuchtet und Sie nutzen nicht die volle Öffnung des Gerätes.

Einfacher Test:
Drehen Sie den Okularauszug ein wenig raus und schauen Sie, ohne Okular, durch den Okularauszug. Sie müssen den kompletten Hauptspiegel mit den seitlichen Halteklammern sehen. Wenn Sie diesen sehen, ist alles in Ordnung, wenn nicht, ist der Fangspiegel höchstwahrscheinlich zu klein.

Genauso wichtig sind die Spinnen!
Die Halterung der Fangspiegelfassung ist genauso wichtig, wie die Abschattung selbst. Was nützt eine gute optische Qualität, wenn alles durch dicke Fangspiegelstreben kaputt gemacht wird. Die starken Beugungserscheinungen können die Abbildungsqualität stark reduzieren.

Achten Sie darauf, daß die Fangspiegelstreben so dünn, wie möglich sind. Je dünner die Streben, desto weniger stark sind die "Strahlen" bei hellen Sternen und desto schärfer ist das Gerät auch bei Mond und Planeten. Auch dies ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium, welches für die gesamte Abbildungsqualität sehr wichtig ist.

Die Innenausschwärzung des Gerätes

Die Innenausschwärzung des Tubus ist sehr wichtig für den Kontrast der Abbildung.

Gerade bei der Beobachtung von helleren Objekten oder auch in der Nähe von Streulicht, wirkt ein Tubus mit einer guten Innenausschwärzung Wunder. Schauen Sie in den Tubus rein und richten Sie den Tubus gehen eine Lichtquelle. Wenn Sie starke Reflektionen bemerken, sollten Sie etwas dagegen tun.

Tipp:
Kleben Sie an die Tubusinnenseite, gegenüberliegend vom Okularauszu, eine Stück Decefix Velourfolie (schwarzer Samt) oder ein mattschwarzes Ton-Papier. Damit reduziert man das direkte Streulicht erheblich.

Die Justagevorrichtungen

HSFassung.jpg (10510 Byte)

Ein Newton entwickelt erst dann seine volle Leistung, wenn er gut justiert ist.

Wesentlich wichtiger, als irgendwelche Lambda- und Strehl Werte ist eine gute Justage. Bei einem etwas lichtstärkeren Newton genügt eine winzige Dejustage und eine hervorragende Newton Optik ist nicht mal mehr in der Lage, beugungsbegrenzt abzubilden.

Eine wichtige Vorraussetzung für angenehmes und erfolgreiches Arbeiten mit Newton Teleskopen ist also eine vernünftige Justiervorrichtung. Sowohl der Hauptspiegel, als auch der Fangspiegel müssen also gut und einfach justierbar sein.

Die Justage muß natürlich halten. Einfache Billigfassungen taugen da meist nicht. Die Fassung sollte auf jeden Fall steif gebaut sein und selbstverständlich, zumindest ab 150mm Öffnung, aus Metall.

Bestehen Sie bitte immer auf eine deutsche Justageanleitung. Wir zeigen Ihnen gerne die wichtigsten Handgriffe der Justage und mailen Ihnen, auf Anfrage, gerne eine Justageanleitung zu.

Die optische Qualität des Hauptspiegels
Erst wenn diese mechanischen Grundlagen alle stimmen, lohnt es sich, über die Qualität des Hauptspiegels zu sprechen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man sich dieser Thematik nähern kann.

Die Definition der Oberflächenqualität mit Lambda p/v - RMS - und Strehl und natürlich der praktische Test am Stern.

Der praktische Test am Stern

Sternabbildungunscharf.jpg (7797 Byte)
Die ideale Optik sollte auf beiden Seiten des Fokus ähnliche Abbildungen liefern. Der dunkle Fleck in der Mitte kommt durch den Fangspiegel.


fokal.jpg (3163 Byte)
Im Fokus ist dann eine saubere runde Beugungsscheibe, umgeben von 2-3 Beugungsringen (je nach Sternhelligkeit) zu sehen.

Viele Sternfreunde haben nicht die Möglichkeit, das Gerät auf einer Optischen Bank zu testen. Wir bieten derartige Sterntests Ihnen gerne an, bitte sprechen Sie uns darauf gerne an. Lassen Sie sich immer ein Rückgaberecht garantieren, sollte die Optik nicht in Ordnung sein.

Jeder Sternfreund kann das Gerät testen und selbst bestimmen, ob seine Optik eine gute Qualität hat oder nicht.

Ein sehr schöner Teststern ist der Polarstern. Er hat zum einen die richtige Helligkeit und er hat kaum eine scheinbare Bewegung. Auch ohne Nachführung bleibt der Stern im Zentrum des Gesichtsfeldes stehen.

Testablauf:
Stellen Sie das Fernrohr raus und lassen Sie dem Fernrohr ca. 1 Stunde Zeit, um sich der Temperatur optimal anzupassen.

Kontrollieren Sie dann die Qualität der Luft, nur wenn der Polarstern selbst bei einer Vergrößerung, die der Öffnung Ihres Fernrohres in Millimeter entspricht, ruhig ist und nicht flackert, lohnt es sich, den Test durchzuführen.

Bleiben Sie bei der Vergrößerung, die Ihrer Öffnung in Millimeter entspricht (200mm Öffnung = etwa 200fach) und stellen Sie den Stern unscharf. Wenn Sie entdecken sollten, daß der schwarze Fleck nicht genau in der Mitte ist, sollten Sie das Gerät erst justieren. Wir mailen Ihnen gerne unsere Justageanleitung zu.

Wenn der Fleck genau in der Mitte ist, dann sollte eine ideale Newton Optik Bilder liefern, wie auf den beiden Aufnahmen auf der linken Seite. Kleine Abweichungen, insbesondere leicht unterschiedliche Bilder auf beiden Seiten des Fokus können akzeptiert werden. Der Test ist sehr empfindlich und zeigt nahezu alle Fehler auf - Motto: die perfekte Optik gibt es nicht.

Wenn Ihre Abbildung deutliche Unterschiede aufweisen sollte, können Sie mit folgender Seite versuchen, den Fehler zu finden. Drücken Sie dann einfach auf das "Zurück" Feld, um zu dieser Seite zurückzukommen.

Direktlink zu einer Seite mit abweichenden Sternabbildungen

Wenn Ihre Optik eine ähnliche Abbildung hat, wie die Aufnahmen auf der linken Seite, können Sie sich getrost zurücklehnen. Sie wissen zwar nicht, welche genauen optischen Werte Ihre Optik hat, aber Sie wissen, daß die Abbildungsqualität stimmt und daß Ihre Optik jeden Qualitätstest überstehen würde.

Die Definition der Oberflächenqualität eines Spiegels

Bevor wir uns mit den Definitionen an sich beschäftigen, sind ein paar Bemerkungen wichtig:

In der letzten Zeit ist, nicht zuletzt durch das Internet, die Vorderung nach optisch hochwertigen Spiegeln, immer lauter geworden. Viele Anbieter konfrontieren sogar den Einsteiger mit P/V oder mit RMS. Das Ergebnis ist, daß der Hobbyastronom zwar noch immer nicht weiß, was er mit dem Fernrohr machen möchte oder welchen Fernrohrtyp er kaufen möchte, aber das Teil muß mindestens einen Strehl von 0,95 haben. Auf die Frage, warum, kommt dann meist die Antwort, das man das nicht weiß aber im Internet steht das so.

Zu allem Überfluss kommen viele Anbieter mit geschönten oder unvollständigen Angaben über die optische Qualität in den Markt. Es werden Lambda Werte angegeben, ohne eine Erklärung, ob es sich hier um die Oberfläche des Spiegels oder die Wellenfront, also das tatsächliche Bild, handelt. Das wäre das Gleiche, als wenn ich angebe, daß Rosenheim von München nur 50 weg ist. Welche 50 - Meilen, Kilometer oder Millimeter auf der Landkarte.

Definitionswerte
Isoliert gesehen haben nur der Strehl Wert und der RMS Wert Aussagekraft. Der Strehl Wert resultiert aus dem RMS Wert.
Die Werte sollen immer in "wave" also der Wellenfront angegeben werden. Ein "wave" Wert setzt immer eine
doppelt so genaue Oberfläche des Spiegels voraus. Sollte hinter einer Angabe nicht wave(Wellenfront) oder surface (Oberfläche)
stehen, sollten Sie kritisch nachfragen, ansonsten hat diese Aussage keinen Wert und Sie können im Zweifelsfall den Händler nicht
auf eine bestimmte Spiegelqualität festnageln.

PV (Peak to Valley / Berg zu Tal) Der P/V Wert drückt immer den Abstand des größten Fehlers aus.

Dabei ist es nicht wichtig, über welchen Bereich des Spiegels sich der Fehler erstreckt. Theoretisch könnte der Fehler auch hinter dem Fangspiegel sein und damit für die Abbildung völlig unerheblich sein.

Der P/V Wert sagt nur aus, daß ein Fehler in einer gewissen Größe da ist. Er sagt nichts darüber aus, wo der Fehler ist und welcher Bereich des Spiegels davon betroffen ist. Es ist also keine Aussage da, inwieweit die Abbildung von diesem Fehler beeinträchtigt wird.

Die Aussage, daß 1/4 Lambda p/v (Wellenfront) für eine beugungsbegrenzte Abbildung genügt, it eher irreführend, da ein Spiegel, der im Extremfall auf seiner ganzen Oberfläche Fehler in dieser Größenordnung hat, völlig unbrauchbar ist.

RMS (gemittelter Oberflächenwert) Der RMS Wert bildet eine Aussage über die Beschaffenheit der gesamten Spiegeloberfläche.

Der RMS Wert (Root Mean Square) trifft eine Aussage über die gesamte Oberfläche. Er teilt uns viel mehr, über die Qualität des Spiegels mit, als der P/V Wert.

Das Bild des Spiegels ist das Resultat seiner gesamten Oberfläche. Also ist auch der RMS Wert, der die Qualität der gesamten Spiegeloberfläche beschreibt, sehr wichtig.

Ein RMS Wert von 1/20 Lambda oder 0,05 Lambda zeigt schon eine vernünftige Optik, je niedriger der RMS Wert ist, desto besser

Strehl Wert Der Strehl Wert bietet die beste Aussage

Der Strehl Wert ist ein Produkt des Computerzeitalters. Er bietet, für den Sternfreund, die beste Aussage und ergibt sich primär aus dem RMS Wert.

Ein Strehl von 1 bedeutet eine perfekte Optik, wobei systembedingte Erscheinungen, wie die Abschattung durch den Fangspiegel.... dabei nicht berücksichtigt werden.

Ab einem Strehl Wert von 0,8 arbeitet eine Optik beugungsbegrenzt. Optiken, die diesen Wert nicht erreichen, sind ein klarer Reklamationsfall. Deshalb ist es immer am besten, beim Händler einen verbindlichen Strehl Wert zu vereinbaren.

Optiken, die Einen Strehl Wert von über 0,9 erreichen, kann man schon als besonders gut kennzeichnen. Ab und zu gibt es auch Ausnahmeoptiken, die Werte jenseits von 0,95 erreichen. Hersteller, die solche Optiken machen können, sind zur Oberliga der Teleskopproduzenten zu rechnen.

Wir als Händler empfehlen keine Optiktester aber der geneigte Leser wird sicherlich in diversen Foren viele Anregungen finden.

Noch ein paar abschließende Worte zum Spiegelträger

Suprax-BK7.jpg (6811 Byte)


Der Unterschied ist eindeutig bei Tageslicht zu sehen:
Links SUPRAX (gelblicher Schimmer)
Rechts BK-7 (neutral weiss)

spiegelsorten.jpg (33144 Byte)

Unterschiedliche Einfärbungen
der Spiegel

Zu einer Seite wo unterschiedliche Glasmaterialien vorgestellt werden

Genauere Infos zu
Suprax von Schott


Genaue Infos zu BK-7

Genaue Infos zu Pyrex

Genaue Infos zu Zerodur

GSO - Der Hersteller von
hochgenauen Spiegeln:

Das Spiegelmaterial selbst hat keinen Einfluss auf die Qualität unserer Spiegel. Die Güte der
Spiegeloberfläche unserer Spiegel ist unabhängig vom Glasträger selbst.

Pyrex von Corning

Erstmals eine Auflistung der Eigenschaften des Spiegels selbst, geordnet nach der Wichtigkeit - 100% ist enorm wichtig 0% ist absolut unwichtig - die Prozentangaben sind natürlich nicht exakt, sie sollen eher das Verhältnis, die Gewichtung der einzelnen Faktoren wiedergeben und sind Erfahrungswerte.

- Qualität der Spiegeloberfläche ............................................................................................... 100%
- Art der Verspiegelung (forciert oder normal - wird in Reflektivität angegeben) ......... 50%
- Homogenität vom Trägermaterial (Verspannungen..) unabhängig vom Glastyp ........... 100%
- Das Trägermaterial selbst (thermisches Verhalten) .......................................................... 5% bis 20%

Je größer der Durchmesser des Spiegels ist, desto wichtiger wird auch der Spiegelträger. Bei 150mm spielt der Träger noch eine sehr nebensächliche Rolle, je größer der Durchmesser, desto wichtiger wird das Material.

Wenn das Material Verspannungen aufweist, ist es, als Träger eines hochgenauen Spiegels, absolut unbrauchbar. Wenn das Spiegelmaterial homogen und hitzebeständig ist, gilt folgendes:

Grundsätzlich ist der Spiegelträger, was die Qualität des Spiegels selbst angeht, absolut nebensächlich. Er beeinflusst die Abbildungsqualität des Spiegels selbst nicht, dies können sogar erfahrene Spiegelhersteller, wie der Lieferant ausgezeichneter taiwanesischer Spiegel, die Firma GSO, bestätigen.

Selbst die Zeit, die der Spiegel zum Auskühlen braucht, ist nicht vom Spiegelträger, sondern eher von der Dicke des Materials, abhängig. Nur das Verhalten des Spiegels während der Auskühlungsperiode ist vom Glasträger abhängig.

Nachfolgend ein paar Infos zum Ausdehnungswert:

Zerodur/Sital/Low Exp. ...  reagieren nahezu nicht auf Temperaturschwankungen. Der Spiegel behält seine Form
Low Expansion - diesen Namen haben wir dem neuen Spiegelmaterial von GSO gegeben. Erste
  Tests haben ergeben, daß das Temperaturverhalten extrem günstig ist. Ein Vergleich des Verhaltens zu
  Zerodur ist durchaus zulässig. Früher haben wir dem Material den Namen Zero Expansion gegeben, allerdings
  hat sich diese Bezeichnung als zu marktschreierisch herausgestellt.
Pyrex hat einen Wert von 3,25
Suprax hat einen Wert um 4,3 - sehr gut für den Bau dünner Teleskopspiegel geeignet - schnelle Auskühlung
BK-7 hat einen Wert von 7,1 - dieses Material reagiert also doppelt so heftig auf Temperaturschwankungen
Float/Plate Glas hat einen Wert um 8,4 - Diese Werte variieren stark, da es unterschiedliche Glassorten gibt.

Man kann von diesen Werten nicht auf die Dauer der Auskühlung schließen. Die Ausdehnungswerte geben nur an, wie stark sich das Material ausdehnt oder zusammenzieht und nicht wie lange es braucht, um sich an die Temperatur anzupassen. Ein Plate Glas Spiegel kann also durchaus genauso schnell an die Temperatur angepasst sein, wie ein Pyrex   Spiegel aber während dieses Anpassungsprozesses reagiert er heftiger. Allerdings fällt der Suprax Spiegel schneller in eine Form, die eine beugungsbegrenzte Abbildung erlaubt, als zum Beispiel Plate Glas. Man erspart sich also Zeit.

Wer aber glaubt, daß man mit einem Zerodur Spiegel vor Temperatureinflüssen gefeilt ist, der irrt. Das Teleskop ist immer als ganzes zu betrachten. Erst wenn der Tubus und die Luft im Tubus angeglichen sind, ist perfektes Beobachten möglich. Unterschiedliche Luftschichten und Turbulenzen sind eine häufige Ursache für keine perfekte Abbildung. Gerade die Wärmeabstrahlung des Spieges selbst beeinträchtigt deutlich stärker die Abbildung, als die Ausdehnung des Spiegels.

Auch mit einem nicht optimal temperierten Spiegel kann sehr schön beobachtet werden. Der Angleichungsprozess verläuft ja nicht linear. In kurzer Zeit ist der Spiegel halbwegs angepasst und ermöglicht schon extrem scharfe Beobachtungen.

Resumee:
Der Spiegelträger selbst muß hitzebeständig und homogen sein. Die verschiedenen Spiegel(träger)materialien benötigen ungefähr die gleiche Zeit zur Temperaturanpassung (Ergänzung: da die spez. Wärmekapazität etwa gleichgroß ist). Während dieser Auskühlung ist die Abbildung der Spiegel mit geringerer Wärmeausdehnung wie z.B. Pyrex, Suprax oder Zerodur weniger beeinträchtigt als die der BK7- oder Fensterglas-Spiegel.
 Auf die endgültige Abbildung eines perfekt ausgekühlten Spiegels hat das Material selbst keine, in der Beobachtungspraxis relevante Auswirkung.

Zum Schluß noch ein paar kritische Bemerkungen

Die Werbung hat die Aufgabe, den Kunden auf das Produkt aufmerksam zu machen und ihn auch zu informieren. Letzteres wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Der Kunde wird, teilweise sogar bewusst, auf "falsche Fährten" gelockt.

Es wird unwahrscheinlich breit die Tatsache hinausposaunt, welchen Spiegelträger das Gerät hat und dann werden noch, sicherlich korrekte, Fakten über die verschiedenen Glassorten präsentiert. Aber der Sternfreund wird bewusst im Unklaren gelassen, welche Bedeutung der Spiegelträger in Wirklichkeit für das Gesamtsystem hat.

Wichtige Informationen, wie die Qualität der Spiegeloberfläche selbst, werden hingegen verschwiegen. Es werden Begriffe, wie beugungsbegrenzte Abbildung gebraucht, ohne diese aber näher zu erleutern. Bei kritischer Betrachtung wird dem Sternfreund kaum eine Möglichkeit geboten, wirklich wichtige Fakten über das Gerät zu erhalten.

Das Ziel dieser Art der Information scheint zu sein, die wichtigen Beurteilungskriterien eines astronomischen Spiegelteleskopes eher zu verschleiern und den Sternfreund so mit eher unwichtigen Informationen zu füttern.

Unser Bestreben ist, Ihnen eine ganzheitliche Information über das astronomische Fernrohr zu bieten. Wir reissen nicht einzelne Bereiche aus dem Zusammenhang. Darüber hinaus bieten wir Ihnen auf jedes Gerät einen Ronchi Test oder einen kompletten Sterntest an. Bei vielen Geräten ist der Ronchitest sogar im Lieferumfang dabei, bei allen anderen ist er aber zusätzlich erhältlich. Damit haben Sie einen Beleg, daß Ihre Optik gewisse Grundkriterien, die auch vereinbart werden können, erreicht.

Wir scheuen uns auch nicht, mit Ihnen verbindlich die Qualität eines Spiegels zu vereinbaren. Sprechen Sie uns einfach darauf an.

Infos zum Leistungspaket von Teleskop-Service

Ich hoffe, Ihnen mit den Erklärungen ein wenig geholfen zu haben.
Wolfi Ransburg

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